Alisa Hamm | 10. Februar 2025 | Lesedauer 5 min
Beide haben in den 2000er Jahren Kommunikationsdesign in Aachen studiert, bevor Verena sich um 2015 zur Ernährungsberaterin weiterbildete. Im Gespräch berichtet sie von den Herausforderungen und Chancen einer veganen Kinderernährung und gibt Einblicke in den Familienalltag sowie den gesellschaftlichen Umgang mit dieser Ernährungsform.


Alisa: Was hat dich ursprünglich dazu gebracht, vegan zu leben, und wie hat sich dieser Entschluss auf die Entscheidung ausgewirkt, eure Kinder ebenfalls vegan zu erziehen?
Verena: Ich wollte die Welt retten! Umweltaspekte waren der Auslöser, es folgte aber rasch die Erkenntnis, dass kein Tier dafür leiden oder sterben soll, nur damit ich etwas Leckeres zu Essen habe. War für mich selbstverständlich, dass die Kinder auch vegan ernährt werden.
Alisa: Welche Überlegungen oder Gespräche hattet ihr als Eltern, bevor ihr beschlossen habt, eure Kinder vegan zu ernähren?
Verena: Das stand nie zur Diskussion. Ich las einige Bücher über vegane Kinderernährung und war bereits in der Ausbildung zur veganen Ernährungsberaterin.
Alisa: Wie seid ihr anfangs mit der veganen Ernährung eurer Kinder gestartet, insbesondere als sie noch sehr klein waren?
Verena: Avocados! Favourite von beiden Kindern. Wenn ich mir ein Bein ausriss und etwas ganz Nährstoffreiches und Aufwendiges für sie machte, wollten sie es meist nicht. Sad!
Alisa: Welche Rolle spielen dabei Dinge wie Einkaufsplanung, Kochen und der Umgang mit potenziellen Nährstoffmängeln? Bzw. welche Schritte unternehmt ihr, um sicherzustellen, dass eure Kinder alle wichtigen Nährstoffe bekommen?
Verena: Die Kinder bekommen B12, Vitamin D und Omega‑3 als Nahrungsergänzungsmittel.
Wir essen sehr viel Gemüse, Obst, Tofu, Linsen und Co. Vollkorngetreide kommt tatsächlich etwas zu kurz, leider. Work in Progress. Wir haben das Blut des Großen untersuchen lassen und dabei kam kein akuter Mangel raus, allerdings sollten wir auf Eisen achten.
Alisa: Gab es jemals medizinische Bedenken von Ärzten oder andere Vorurteile, mit denen ihr euch auseinandersetzen musstet?
Verena: Eine Kinderärztin wog gerade mein sehr (!) wohlgenährtes Baby und meinte dann, dass vegane Muttermilch schlecht für Babys sei. Da konnte ich nur noch lachen. Als ich ihr sagte, dass ich die Ausbildung zur Ernährungsberaterin machte, war sie so semi-beruhigt. Da herrscht leider enorm viel Unwissen. Ärzt*innen haben oft keine Ahnung von Ernährung!
Alisa: Wie haben Erzieher, Lehrer oder andere Eltern darauf reagiert, dass eure Kinder vegan ernährt werden? Gab es dabei positive oder negative Erfahrungen?
Verena: Viele Menschen halten uns für exotische Tiere. Andere finden es toll, aber „könnten es selbst nie“. Es gibt aber natürlich auch Hater. In der Kita z. B. wird für alle Kinder Frühstück besorgt, aber vegane Wurst und Käse und pflanzliche Milch kaufen sie nicht, weil „wir uns da nicht gut genug auskennen“. Das macht dann schon etwas wütend. Auch Mittagessen gibt es nicht vegan, das kommt vom Metzger. Aufgewärmt wird das mitgebrachte Essen aber zum Glück anstandslos. Bei Kindergeburtstagen geben wir unserem Sohn etwas mit, wenn die Eltern nichts Veganes besorgen können/wollen.
Alisa: Sind eure Kinder im Kindergarten oder in der Schule mit Fragen oder Kommentaren zu ihrer Ernährung konfrontiert worden? Wenn ja, wie habt ihr ihnen geholfen, damit umzugehen?
Verena: Nein, das interessierte die Kinder nicht in der Kita. Unsere Kinder wissen, dass wir unsere Freunde (die Tiere) nicht essen.
Alisa: Gab es Situationen, in denen ihr euch gesellschaftlich oder organisatorisch benachteiligt gefühlt habt, weil eure Familie vegan lebt?
Verena: Natürlich. Immer und überall. Bei jedem Grillfest der Kita, bei jeder Veranstaltung: veganlebende Menschen werden nicht mitgedacht. Das traurigste am Vegansein ist, dass der Rest der Welt es nicht ist.
Alisa: Was würdest du anderen Eltern raten, die überlegen, ihre Kinder vegan zu ernähren?
Verena: Informier dich, tu es! Wie wunderbar muss es sein ohne die kognitive Dissonanz aufzuwachsen, Tiere zu lieben und sie nicht auch gleichzeitig zu essen.

Credits
Fotos: Misha Hamm
Text: Alisa Hamm
Alisa Hamm
10. Februar 2025
Lesedauer 5 min
Beide haben in den 2000er Jahren Kommunikationsdesign in Aachen studiert, bevor Verena sich um 2015 zur Ernährungsberaterin weiterbildete. Im Gespräch berichtet sie von den Herausforderungen und Chancen einer veganen Kinderernährung und gibt Einblicke in den Familienalltag sowie den gesellschaftlichen Umgang mit dieser Ernährungsform.


Alisa: Was hat dich ursprünglich dazu gebracht, vegan zu leben, und wie hat sich dieser Entschluss auf die Entscheidung ausgewirkt, eure Kinder ebenfalls vegan zu erziehen?
Verena: Ich wollte die Welt retten! Umweltaspekte waren der Auslöser, es folgte aber rasch die Erkenntnis, dass kein Tier dafür leiden oder sterben soll, nur damit ich etwas Leckeres zu Essen habe. War für mich selbstverständlich, dass die Kinder auch vegan ernährt werden.
Alisa: Welche Überlegungen oder Gespräche hattet ihr als Eltern, bevor ihr beschlossen habt, eure Kinder vegan zu ernähren?
Verena: Das stand nie zur Diskussion. Ich las einige Bücher über vegane Kinderernährung und war bereits in der Ausbildung zur veganen Ernährungsberaterin.
Alisa: Wie seid ihr anfangs mit der veganen Ernährung eurer Kinder gestartet, insbesondere als sie noch sehr klein waren?
Verena: Avocados! Favourite von beiden Kindern. Wenn ich mir ein Bein ausriss und etwas ganz Nährstoffreiches und Aufwendiges für sie machte, wollten sie es meist nicht. Sad!
Alisa: Welche Rolle spielen dabei Dinge wie Einkaufsplanung, Kochen und der Umgang mit potenziellen Nährstoffmängeln? Bzw. welche Schritte unternehmt ihr, um sicherzustellen, dass eure Kinder alle wichtigen Nährstoffe bekommen?
Verena: Die Kinder bekommen B12, Vitamin D und Omega‑3 als Nahrungsergänzungsmittel.
Wir essen sehr viel Gemüse, Obst, Tofu, Linsen und Co. Vollkorngetreide kommt tatsächlich etwas zu kurz, leider. Work in Progress. Wir haben das Blut des Großen untersuchen lassen und dabei kam kein akuter Mangel raus, allerdings sollten wir auf Eisen achten.
Alisa: Gab es jemals medizinische Bedenken von Ärzten oder andere Vorurteile, mit denen ihr euch auseinandersetzen musstet?
Verena: Eine Kinderärztin wog gerade mein sehr (!) wohlgenährtes Baby und meinte dann, dass vegane Muttermilch schlecht für Babys sei. Da konnte ich nur noch lachen. Als ich ihr sagte, dass ich die Ausbildung zur Ernährungsberaterin machte, war sie so semi-beruhigt. Da herrscht leider enorm viel Unwissen. Ärzt*innen haben oft keine Ahnung von Ernährung!
Alisa: Wie haben Erzieher, Lehrer oder andere Eltern darauf reagiert, dass eure Kinder vegan ernährt werden? Gab es dabei positive oder negative Erfahrungen?
Verena: Viele Menschen halten uns für exotische Tiere. Andere finden es toll, aber „könnten es selbst nie“. Es gibt aber natürlich auch Hater. In der Kita z. B. wird für alle Kinder Frühstück besorgt, aber vegane Wurst und Käse und pflanzliche Milch kaufen sie nicht, weil „wir uns da nicht gut genug auskennen“. Das macht dann schon etwas wütend. Auch Mittagessen gibt es nicht vegan, das kommt vom Metzger. Aufgewärmt wird das mitgebrachte Essen aber zum Glück anstandslos. Bei Kindergeburtstagen geben wir unserem Sohn etwas mit, wenn die Eltern nichts Veganes besorgen können/wollen.
Alisa: Sind eure Kinder im Kindergarten oder in der Schule mit Fragen oder Kommentaren zu ihrer Ernährung konfrontiert worden? Wenn ja, wie habt ihr ihnen geholfen, damit umzugehen?
Verena: Nein, das interessierte die Kinder nicht in der Kita. Unsere Kinder wissen, dass wir unsere Freunde (die Tiere) nicht essen.
Alisa: Gab es Situationen, in denen ihr euch gesellschaftlich oder organisatorisch benachteiligt gefühlt habt, weil eure Familie vegan lebt?
Verena: Natürlich. Immer und überall. Bei jedem Grillfest der Kita, bei jeder Veranstaltung: veganlebende Menschen werden nicht mitgedacht. Das traurigste am Vegansein ist, dass der Rest der Welt es nicht ist.
Alisa: Was würdest du anderen Eltern raten, die überlegen, ihre Kinder vegan zu ernähren?
Verena: Informier dich, tu es! Wie wunderbar muss es sein ohne die kognitive Dissonanz aufzuwachsen, Tiere zu lieben und sie nicht auch gleichzeitig zu essen.

Credits
Fotos: Misha Hamm
Text: Alisa Hamm