Elia Hornburg | 20. März 2025 | Lesedauer 7 min

Die Verwendung von recyceltem Plastik ist mittlerweile keine Ausnahme einzelner Unternehmen mehr, sondern eine gängige Praxis der Modeindustrie. Doch was steckt eigentlich hinter „recyceltem Polyester“? Die Fast-Fashion-Industrie hat es geschafft, ihr fragwürdiges Verhalten durch geschicktes Greenwashing zu verschleiern. Schaut man sich die Zahlen genauer an und überprüft einige Fakten, wird schnell klar, dass nicht alles so nachhaltig ist, wie es auf den ersten Blick scheint.
Zum Einstieg in die Materie ist es wichtig zu erwähnen, dass es zwei Arten gibt, recyceltes Polyester zu gewinnen: zum einen aus PET-Flaschen, also Kunststoffbehältern, die ursprünglich für Getränke und andere Flüssigkeiten genutzt wurden und recycelt werden können, und zum anderen aus alter Polyesterkleidung, die jedoch seltener für das Recycling verwendet wird.[1] Dieser Fakt allein ist für viele Konsument:innen schon eine neue Erkenntnis.
[1} COSH.eco: Wie nachhaltig ist recyceltes Polyester? Die Vor- und Nachteile, 2023. Online verfügbar unter: https://cosh.eco/de/artikel/how-sustainable-is-recycled-polyester Zugriff am: 09.03.25
Beim erstgenannten Verfahren werden PET-Flaschen aus ihrem eigenen Recyclingkreislauf entnommen. Diese Unterbrechung des Kreislaufes kann dazu führen, dass eine Unterversorgung mit recyclingfähigem Polyester zur Herstellung neuer Trinkgefäße entsteht. Folglich muss dieser Mangel durch eine Produktionssteigerung kompensiert werden, was zu noch mehr Verbrauch von erdölbasiertem Kunststoff führt.[2]
[2} COSH.eco: Wie nachhaltig ist recyceltes Polyester? Die Vor- und Nachteile, 2023. Online verfügbar unter: https://cosh.eco/de/artikel/how-sustainable-is-recycled-polyester Zugriff am: 09.03.25
Nun könnte man meinen; „Na großartig…, wenn das so ist, dann sollten wir Polyester lieber aus alter Kleidung recyceln!“ An sich eine solide Idee, jedoch ist es deutlich kostenintensiver, Polyester durch diese Methode zu gewinnen.[3]
[3} COSH.eco: Wie nachhaltig ist recyceltes Polyester? Die Vor- und Nachteile, 2023. Online verfügbar unter: https://cosh.eco/de/artikel/how-sustainable-is-recycled-polyester Zugriff am: 09.03.25
Weltweit werden nur 14,7% (Stand 2020) des gesamten Polyesters recycelt.[4] Hinzu kommt, dass das recycelte Polyester kaum ein weiteres Mal recycelt werden kann, besonders wenn es in einem Mischgewebe benutzt wird. Aus dem erhofften Recyclingkreislauf wird somit maximal ein „Kreisläufchen“ oder, genauer, eine Zweitverwendung.
[4} Preferred Fiber & Materials Market Report 2021, 2021. Online verfügbar unter: https://textileexchange.org/app/uploads/2021/08/Textile-Exchange_Preferred-Fiber-and-Materials-Market-Report_2021.pdf Zugriff am: 09.03.25
Beim Lesen all dieser Fakten kann schnell das Gefühl entstehen, dass nachhaltiger Konsum kaum möglich ist und die Industrie uns täuscht. Doch keine Sorge – es gibt durchaus Möglichkeiten, wie man den Tricks der Modebranche als bewusste/r Konsument:in entgegenwirken kann.



Die offensichtlichste Lösung ist es, den eigenen Konsum zu reflektieren und bewusst zu minimieren – eine Maßnahme, die in unserer konsumorientierten Gesellschaft oft leichter gesagt als getan ist. Eine Umfrage von Greenpeace aus dem Jahr 2019 ergab, dass Österreicher*innen im Durchschnitt 85 Kleidungsstücke besitzen, von denen jedes achte ungetragen bleibt.[5] Diese Zahlen verdeutlichen, wie viele Ressourcen ungenutzt bleiben und dass ein bewussterer Umgang mit Kleidung notwendig ist. Anstatt ungetragene Kleidung im Schrank verstauben zu lassen, könnte sie gespendet, weiterverkauft oder recycelt werden, um die Kreislaufwirtschaft zu stärken und textile Abfälle zu reduzieren.
[5} Greenpeace Österreich: 72 Millionen Kleidungsstücke ungetragen in Österreichs Kleiderschränken, 2019. Online verfügbar unter: https://greenpeace.at/presse/greenpeace-umfrage-72-millionen-kleidungsstuecke-ungetragen-in-oesterreichs-kleiderschraenken/ Zugriff am: 09.03.25
Ein bewussterer Konsum bedeutet nicht nur, weniger zu kaufen, sondern auch gezielter darauf zu achten, welche Kleidung wir wählen. Hochwertige Kleidungsstücke zeichnen sich oft durch langlebige Materialien, eine sorgfältige Verarbeitung und faire Produktionsbedingungen aus. Sie halten länger, sitzen besser und verlieren weniger schnell ihre Form – was langfristig nicht nur nachhaltiger, sondern oft auch kosteneffizienter ist.
Gerade in jungen Jahren ist es jedoch nicht immer leicht, nachhaltig zu konsumieren. Trends wechseln schnell, und das Budget ist oft begrenzt. Doch nachhaltiger Konsum bedeutet nicht zwangsläufig, nur teure Fair-Fashion-Marken zu kaufen. Es gibt viele Möglichkeiten, kritisch mit dem eigenen Konsum umzugehen: Second-Hand-Shopping, Kleidertausch mit Freund*innen oder das bewusste Reparieren von Kleidung, anstatt sie bei den ersten Abnutzungserscheinungen zu entsorgen. Auch die Auseinandersetzung mit den Produktionsbedingungen oder das Gespräch mit anderen über nachhaltige Alternativen kann ein wichtiger Schritt sein.
Credits
Bilder: Elia Hornburg
Text: Elia Hornburg
Elia Hornburg
20. März 2025
Lesedauer 7 min

Die Verwendung von recyceltem Plastik ist mittlerweile keine Ausnahme einzelner Unternehmen mehr, sondern eine gängige Praxis der Modeindustrie. Doch was steckt eigentlich hinter „recyceltem Polyester“? Die Fast-Fashion-Industrie hat es geschafft, ihr fragwürdiges Verhalten durch geschicktes Greenwashing zu verschleiern. Schaut man sich die Zahlen genauer an und überprüft einige Fakten, wird schnell klar, dass nicht alles so nachhaltig ist, wie es auf den ersten Blick scheint.
Zum Einstieg in die Materie ist es wichtig zu erwähnen, dass es zwei Arten gibt, recyceltes Polyester zu gewinnen: zum einen aus PET-Flaschen, also Kunststoffbehältern, die ursprünglich für Getränke und andere Flüssigkeiten genutzt wurden und recycelt werden können, und zum anderen aus alter Polyesterkleidung, die jedoch seltener für das Recycling verwendet wird.[1] Dieser Fakt allein ist für viele Konsument:innen schon eine neue Erkenntnis.
[1} COSH.eco: Wie nachhaltig ist recyceltes Polyester? Die Vor- und Nachteile, 2023. Online verfügbar unter: https://cosh.eco/de/artikel/how-sustainable-is-recycled-polyester Zugriff am: 09.03.25
Beim erstgenannten Verfahren werden PET-Flaschen aus ihrem eigenen Recyclingkreislauf entnommen. Diese Unterbrechung des Kreislaufes kann dazu führen, dass eine Unterversorgung mit recyclingfähigem Polyester zur Herstellung neuer Trinkgefäße entsteht. Folglich muss dieser Mangel durch eine Produktionssteigerung kompensiert werden, was zu noch mehr Verbrauch von erdölbasiertem Kunststoff führt.[2]
[2} COSH.eco: Wie nachhaltig ist recyceltes Polyester? Die Vor- und Nachteile, 2023. Online verfügbar unter: https://cosh.eco/de/artikel/how-sustainable-is-recycled-polyester Zugriff am: 09.03.25
Nun könnte man meinen; „Na großartig…, wenn das so ist, dann sollten wir Polyester lieber aus alter Kleidung recyceln!“ An sich eine solide Idee, jedoch ist es deutlich kostenintensiver, Polyester durch diese Methode zu gewinnen.[3]
[3} COSH.eco: Wie nachhaltig ist recyceltes Polyester? Die Vor- und Nachteile, 2023. Online verfügbar unter: https://cosh.eco/de/artikel/how-sustainable-is-recycled-polyester Zugriff am: 09.03.25
Weltweit werden nur 14,7% (Stand 2020) des gesamten Polyesters recycelt.[4] Hinzu kommt, dass das recycelte Polyester kaum ein weiteres Mal recycelt werden kann, besonders wenn es in einem Mischgewebe benutzt wird. Aus dem erhofften Recyclingkreislauf wird somit maximal ein „Kreisläufchen“ oder, genauer, eine Zweitverwendung.
[4} Preferred Fiber & Materials Market Report 2021, 2021. Online verfügbar unter: https://textileexchange.org/app/uploads/2021/08/Textile-Exchange_Preferred-Fiber-and-Materials-Market-Report_2021.pdf Zugriff am: 09.03.25
Beim Lesen all dieser Fakten kann schnell das Gefühl entstehen, dass nachhaltiger Konsum kaum möglich ist und die Industrie uns täuscht. Doch keine Sorge – es gibt durchaus Möglichkeiten, wie man den Tricks der Modebranche als bewusste/r Konsument:in entgegenwirken kann.



Die offensichtlichste Lösung ist es, den eigenen Konsum zu reflektieren und bewusst zu minimieren – eine Maßnahme, die in unserer konsumorientierten Gesellschaft oft leichter gesagt als getan ist. Eine Umfrage von Greenpeace aus dem Jahr 2019 ergab, dass Österreicher*innen im Durchschnitt 85 Kleidungsstücke besitzen, von denen jedes achte ungetragen bleibt.[5] Diese Zahlen verdeutlichen, wie viele Ressourcen ungenutzt bleiben und dass ein bewussterer Umgang mit Kleidung notwendig ist. Anstatt ungetragene Kleidung im Schrank verstauben zu lassen, könnte sie gespendet, weiterverkauft oder recycelt werden, um die Kreislaufwirtschaft zu stärken und textile Abfälle zu reduzieren.
[5} Greenpeace Österreich: 72 Millionen Kleidungsstücke ungetragen in Österreichs Kleiderschränken, 2019. Online verfügbar unter: https://greenpeace.at/presse/greenpeace-umfrage-72-millionen-kleidungsstuecke-ungetragen-in-oesterreichs-kleiderschraenken/ Zugriff am: 09.03.25
Ein bewussterer Konsum bedeutet nicht nur, weniger zu kaufen, sondern auch gezielter darauf zu achten, welche Kleidung wir wählen. Hochwertige Kleidungsstücke zeichnen sich oft durch langlebige Materialien, eine sorgfältige Verarbeitung und faire Produktionsbedingungen aus. Sie halten länger, sitzen besser und verlieren weniger schnell ihre Form – was langfristig nicht nur nachhaltiger, sondern oft auch kosteneffizienter ist.
Gerade in jungen Jahren ist es jedoch nicht immer leicht, nachhaltig zu konsumieren. Trends wechseln schnell, und das Budget ist oft begrenzt. Doch nachhaltiger Konsum bedeutet nicht zwangsläufig, nur teure Fair-Fashion-Marken zu kaufen. Es gibt viele Möglichkeiten, kritisch mit dem eigenen Konsum umzugehen: Second-Hand-Shopping, Kleidertausch mit Freund*innen oder das bewusste Reparieren von Kleidung, anstatt sie bei den ersten Abnutzungserscheinungen zu entsorgen. Auch die Auseinandersetzung mit den Produktionsbedingungen oder das Gespräch mit anderen über nachhaltige Alternativen kann ein wichtiger Schritt sein.
Credits
Bilder: Elia Hornburg
Text: Elia Hornburg