Max Weibgen | 29.01.2025 | Lesedauer 4 min
Stell dir vor, du könntest als Gestalter:in einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft leisten und Antworten auf Fragen geben, die uns bewegen: Was sind die bedeutendsten Probleme unserer Zeit? Was können wir bewegen, um unsere Zukunft und die der gesamten Gesellschaft nachhaltig zu gestalten? Und wie können wir als Gestaltende unsere Fähigkeiten nutzen, um diese Transformation voranzutreiben?

Dass unsere Gesellschaft weder aus ökologischer noch aus sozialer Sicht nachhaltig ist, ist uns allen bewusst. Genauso wie die Tatsachen, dass wir nicht morgen, sondern jetzt etwas ändern müssen. Warum nutze ich dann nicht meine Fähigkeiten als Gestalter, um etwas Positives zu bewirken? Ich habe versucht, diese Frage für mich zu beantworten und habe dabei mehrere Antworten gefunden.
Einerseits hat mich die Vielzahl von Problemen, aber auch Möglichkeiten lange überfordert, sodass ich gar nicht wusste, wo ich anfangen kann. Wie soll ich damit anfangen etwas zu ändern, wenn ich noch gar nicht für mich herausgefunden habe, welche Themen mich bewegen? Oder liegt es daran, dass mich das Thema bis jetzt noch nicht stark genug betroffen hat? Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, habe ich die Auswirkungen von Umweltproblemen bis jetzt nicht direkt erlebt. Auch die soziale Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft bekam ich noch nicht selbst zu spüren.
Den primären Grund dafür, dass ich bisher nicht noch mehr Initiative im Hinblick auf Nachhaltigkeit gezeigt habe oder sogar meine Fähigkeiten als Gestalter für nachhaltige Zwecke genutzt habe, sehe ich jedoch in einem fehlenden Selbstwirksamkeitsgefühl. Unter Selbstwirksamkeit ist zu verstehen, dass man sich zutraut, die Kompetenzen und Möglichkeiten zu besitzen, um effektive und greifbare Lösungen zu finden.
Genau dieses Gefühl hat sich in mir lange nicht entwickelt, da die zu lösenden Probleme nicht zu bewältigen schienen. Vielleicht hat mir auch ein gewisser Weitblick gefehlt. Vieles fühlte sich bis jetzt an, wie ein Tropfen auf einen heißen Stein. Erst mit der Zeit habe ich verstanden, dass selbst kleine Veränderungen einen langfristigen Unterschied machen können. Doch leider ist Selbstwirksamkeit nicht etwas, das von heute auf morgen in einem entsteht. Vielmehr muss sie erlernt werden, indem man positive Erfahrungen sammelt.

Mein Gefühl der Selbstwirksamkeit habe ich 2024 angefangen zu stärken, indem ich an einem Editorial-Projekt teilgenommen habe. Unter dem Motto „Stell dir vor, …“ hat das an der Hochschule Bielefeld gegründete „Institut für Buchgestaltung“ [1] (IFB) 2024 ein Bookazine [2] unter dem Schirmthema Transformationsdesign entwickelt. Die Zine-Sammlung befasst sich mit Thematiken wie dem Klimawandel, dem Rechtsruck der Gesellschaft und dem Kapitalismus und setzt sich mit Fragen auseinander, die uns als Gestalter:innen bewegen:
[1} https://institut-buchgestaltung.de/
[2} Ein Druck-Erzeugnis, das zwischen Magazin und Buch einzuordnen ist
Wie können wir als Gestalter:innen in diesen Systemen unseren Idealen treu bleiben? Und wie können wir unsere eigene Zukunft und die Zukunft der Gesellschaft mit unseren Fähigkeiten positiv beeinflussen?
Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, hat das IFB Studierende über einen „Open Call“ gebeten, Zines zu gestalten, welche sich mit einer utopischen Zukunftsvision beschäftigen. Die 17 inspirierendsten der eingesendeten Zines hat das Institut für Buchgestaltung zu einer Zine-Sammlung zusammengestellt, welche erzählerische Grenzen überwindet und Lesende neue Horizonte entdecken lässt. Die einzelnen Utopien und Gedankenspiele haben jeweils einen Umfang von 16 Seiten und fallen sowohl ernst und konkret als auch humorvoll und übertrieben aus. Doch eins haben sie alle gemeinsam: sie regen zur Diskussion über unsere Zukunft an und philosophieren darüber, wie wir sie gestalten sollten.

Ich selbst habe ebenfalls am Open Call des IFB teilgenommen. Mein Zine habe ich im Rahmen des Seminars „Lay-Inside-Out“ von Prof. Dirk Fütterer an der Hochschule Bielefeld erstellt. Es trägt den Titel „Stell dir vor, … das Auto bremst uns nicht mehr aus!“ und beschäftigt sich damit, wie autofreie Städte unser Leben verbessern könnten. Das Zine ist in drei Abschnitte unterteilt. Zuerst wird die aktuelle dystopische Situation visualisiert. Darauf folgt ein Aufruf zur Transformation und die Visualisierung der möglichen Utopie von autofreien Innenstädten.
Auch wenn es mein Zine letztendlich nicht unter die 17 ausgewählten Zines geschafft hat, hat mir das Projekt dennoch gezeigt, welchen Einfluss wir als Gestalter:innen haben können. Es hat in mir erstmals ein Gefühl der Selbstwirksamkeit geschaffen. Genau dieses Gefühl sehe ich als Schlüssel dafür, als Mitglieder einer Gesellschaft wirklich etwas zu verändern und die Welt nachhaltiger zu machen. Und ich finde, dass gerade wir als Gestalter:innen eine recht große Verantwortung an diesem Wandel haben. Schließlich liegt es an uns, auf gesellschaftliche Missstände hinzuweisen und mögliche nachhaltigere Lösungen zu visualisieren.
Dabei muss man jedoch nicht immer auf einen ganzheitlichen Wandel hinarbeiten. Auch in einem kleineren Rahmen können wir auf lange Sicht einen großen positiven Einfluss erwirken. Zudem sollte man sich damit auseinandersetzen, welchem der vielen ökologischen und gesellschaftlichen Probleme man sich annimmt. Jedoch ist es in meinen Augen viel wichtiger, dass man überhaupt anfängt, sich für nachhaltige Zecke zu engagieren und somit einen Grundstein für sich und andere legt, die man durch das eigene Handeln inspiriert.
Doch eins steht fest, es braucht gutes Design, um Menschen zu bewegen und Änderungen herbeizuführen. Und wir als Gestalter:innen können die Zukunft somit mitgestalten.
Credits
Bilder: Max Weibgen
Text: Max Weibgen
Max Weibgen
29. Januar 2025
Lesedauer 4 min min
Stell dir vor, du könntest als Gestalter:in einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft leisten und Antworten auf Fragen geben, die uns bewegen: Was sind die bedeutendsten Probleme unserer Zeit? Was können wir bewegen, um unsere Zukunft und die der gesamten Gesellschaft nachhaltig zu gestalten? Und wie können wir als Gestaltende unsere Fähigkeiten nutzen, um diese Transformation voranzutreiben?

Dass unsere Gesellschaft weder aus ökologischer noch aus sozialer Sicht nachhaltig ist, ist uns allen bewusst. Genauso wie die Tatsachen, dass wir nicht morgen, sondern jetzt etwas ändern müssen. Warum nutze ich dann nicht meine Fähigkeiten als Gestalter, um etwas Positives zu bewirken? Ich habe versucht, diese Frage für mich zu beantworten und habe dabei mehrere Antworten gefunden.
Einerseits hat mich die Vielzahl von Problemen, aber auch Möglichkeiten lange überfordert, sodass ich gar nicht wusste, wo ich anfangen kann. Wie soll ich damit anfangen etwas zu ändern, wenn ich noch gar nicht für mich herausgefunden habe, welche Themen mich bewegen? Oder liegt es daran, dass mich das Thema bis jetzt noch nicht stark genug betroffen hat? Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, habe ich die Auswirkungen von Umweltproblemen bis jetzt nicht direkt erlebt. Auch die soziale Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft bekam ich noch nicht selbst zu spüren.
Den primären Grund dafür, dass ich bisher nicht noch mehr Initiative im Hinblick auf Nachhaltigkeit gezeigt habe oder sogar meine Fähigkeiten als Gestalter für nachhaltige Zwecke genutzt habe, sehe ich jedoch in einem fehlenden Selbstwirksamkeitsgefühl. Unter Selbstwirksamkeit ist zu verstehen, dass man sich zutraut, die Kompetenzen und Möglichkeiten zu besitzen, um effektive und greifbare Lösungen zu finden.
Genau dieses Gefühl hat sich in mir lange nicht entwickelt, da die zu lösenden Probleme nicht zu bewältigen schienen. Vielleicht hat mir auch ein gewisser Weitblick gefehlt. Vieles fühlte sich bis jetzt an, wie ein Tropfen auf einen heißen Stein. Erst mit der Zeit habe ich verstanden, dass selbst kleine Veränderungen einen langfristigen Unterschied machen können. Doch leider ist Selbstwirksamkeit nicht etwas, das von heute auf morgen in einem entsteht. Vielmehr muss sie erlernt werden, indem man positive Erfahrungen sammelt.

Mein Gefühl der Selbstwirksamkeit habe ich 2024 angefangen zu stärken, indem ich an einem Editorial-Projekt teilgenommen habe. Unter dem Motto „Stell dir vor, …“ hat das an der Hochschule Bielefeld gegründete „Institut für Buchgestaltung“ [1] (IFB) 2024 ein Bookazine [2] unter dem Schirmthema Transformationsdesign entwickelt.
[1} https://institut-buchgestaltung.de/
[2} Ein Druck-Erzeugnis, das zwischen Magazin und Buch einzuordnen ist
Die Zine-Sammlung befasst sich mit Thematiken wie dem Klimawandel, dem Rechtsruck der Gesellschaft und dem Kapitalismus und setzt sich mit Fragen auseinander, die uns als Gestalter:innen bewegen:
Wie können wir als Gestalter:innen in diesen Systemen unseren Idealen treu bleiben? Und wie können wir unsere eigene Zukunft und die Zukunft der Gesellschaft mit unseren Fähigkeiten positiv beeinflussen?
Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, hat das IFB Studierende über einen „Open Call“ gebeten, Zines zu gestalten, welche sich mit einer utopischen Zukunftsvision beschäftigen. Die 17 inspirierendsten der eingesendeten Zines hat das Institut für Buchgestaltung zu einer Zine-Sammlung zusammengestellt, welche erzählerische Grenzen überwindet und Lesende neue Horizonte entdecken lässt. Die einzelnen Utopien und Gedankenspiele haben jeweils einen Umfang von 16 Seiten und fallen sowohl ernst und konkret als auch humorvoll und übertrieben aus. Doch eins haben sie alle gemeinsam: sie regen zur Diskussion über unsere Zukunft an und philosophieren darüber, wie wir sie gestalten sollten.

Ich selbst habe ebenfalls am Open Call des IFB teilgenommen. Mein Zine habe ich im Rahmen des Seminars „Lay-Inside-Out“ von Prof. Dirk Fütterer an der Hochschule Bielefeld erstellt. Es trägt den Titel „Stell dir vor, … das Auto bremst uns nicht mehr aus!“ und beschäftigt sich damit, wie autofreie Städte unser Leben verbessern könnten. Das Zine ist in drei Abschnitte unterteilt. Zuerst wird die aktuelle dystopische Situation visualisiert. Darauf folgt ein Aufruf zur Transformation und die Visualisierung der möglichen Utopie von autofreien Innenstädten.
Auch wenn es mein Zine letztendlich nicht unter die 17 ausgewählten Zines geschafft hat, hat mir das Projekt dennoch gezeigt, welchen Einfluss wir als Gestalter:innen haben können. Es hat in mir erstmals ein Gefühl der Selbstwirksamkeit geschaffen. Genau dieses Gefühl sehe ich als Schlüssel dafür, als Mitglieder einer Gesellschaft wirklich etwas zu verändern und die Welt nachhaltiger zu machen. Und ich finde, dass gerade wir als Gestalter:innen eine recht große Verantwortung an diesem Wandel haben. Schließlich liegt es an uns, auf gesellschaftliche Missstände hinzuweisen und mögliche nachhaltigere Lösungen zu visualisieren.
Dabei muss man jedoch nicht immer auf einen ganzheitlichen Wandel hinarbeiten. Auch in einem kleineren Rahmen können wir auf lange Sicht einen großen positiven Einfluss erwirken. Zudem sollte man sich damit auseinandersetzen, welchem der vielen ökologischen und gesellschaftlichen Probleme man sich annimmt. Jedoch ist es in meinen Augen viel wichtiger, dass man überhaupt anfängt, sich für nachhaltige Zecke zu engagieren und somit einen Grundstein für sich und andere legt, die man durch das eigene Handeln inspiriert.
Doch eins steht fest, es braucht gutes Design, um Menschen zu bewegen und Änderungen herbeizuführen. Und wir als Gestalter:innen können die Zukunft somit mitgestalten.
Credits
Bilder: Max Weibgen
Text: Max Weibgen