Levin Geller | 27.11.2024 | Lesedauer 5 min
Das alles sind Symptome eines kranken Systems. Und damit meine ich nicht, dass das System erkrankt ist, sondern, dass das System eine Krankheit ist. Der Kapitalismus verlangt unendliches Wachstum aus einem endlichen Pool an Ressourcen. Hergestellt wird nicht, was benötigt wird, sondern was verkauft werden kann. Krank.

Optimistische Ideen, den Klimawandel zu lösen setzen gern am Individuum an. Vor ein paar Jahren ging es in der Schule um den ökologischen Fußabdruck. Da konnten wir unseren Verbrauch in so einem lustigen online-Rechner eintragen, und dabei kam raus, wie viele Erden wir brauchen würden, wenn alle so leben würden wie wir. So wurde bei einigen von uns Schüler:innen ein Bewusstsein für ökologische Nachhaltigkeit geschaffen. Toll!
Nur leider lässt das vom Ölkonzern BP popularisierte Konzept des ökologischen Fußabdruckes[1] das Kernproblem völlig außer Acht, indem es ganz im Gegenteil den Blick davon ablenkt. Das Individuum kann vollständig auf Fleisch und Flüge verzichten, und das Fahrrad statt des Autos nehmen. Der Privatjetflug eines anderen Individuums macht das alles nicht nur wieder zunichte, sondern sorgt gleich für einen CO2-Ausstoß, der mit den mehrerer ganzen Menschenleben vergleichbar ist.
[1] 2004 stellte der Ölkonzern BP (früher: British Petroleum) einen Rechner vor, der die CO2-Emissionen der:des Einzelnen berechnen könne. Daraus resultierte, dass die Verantwortung für Emissionen spielerisch mit einer Werbekampagne von Konzernen auf Individuen umgewälzt wurden. Dieses Bild hat sich bis heute nicht vollständig aufgelöst, obgleich Gegenbeweise sichtbar [gemacht worden] sind. (siehe: https://www.ardalpha.de/wissen/umwelt/nachhaltigkeit/co2-fussabdruck-carbon-footprint-shell-exxon-bp-taeuschung-klima-100.html )

Ich denke diese Erkenntnis kann mehrere Resultate (inklusive ihrer Extremformen, wie Doomerism oder Ökoterrorismus) liefern, die meist ein Spektrum von Handlungsohnmacht bis Protest umfassen.
„We are doomed“ und können es [selbst] nicht ändern, weil die Mächtigen (für die dieses System funktioniert) kein Interesse daran haben.
Ich glaube nicht, dass es eine andere angebrachte Reaktion auf den Klimawandel (und andere Symptome der herrschenden Verhältnisse) gibt, die sich außerhalb dieses Spektrums befindet.

Levin Geller
27.11.2024
Lesedauer 5 min
Das alles sind Symptome eines kranken Systems. Und damit meine ich nicht, dass das System erkrankt ist, sondern, dass das System eine Krankheit ist. Der Kapitalismus verlangt unendliches Wachstum aus einem endlichen Pool an Ressourcen. Hergestellt wird nicht, was benötigt wird, sondern was verkauft werden kann. Krank.

Optimistische Ideen, den Klimawandel zu lösen setzen gern am Individuum an. Vor ein paar Jahren ging es in der Schule um den ökologischen Fußabdruck. Da konnten wir unseren Verbrauch in so einem lustigen online-Rechner eintragen, und dabei kam raus, wie viele Erden wir brauchen würden, wenn alle so leben würden wie wir. So wurde bei einigen von uns Schüler:innen ein Bewusstsein für ökologische Nachhaltigkeit geschaffen. Toll!
Nur leider lässt das vom Ölkonzern BP popularisierte Konzept des ökologischen Fußabdruckes[1] das Kernproblem völlig außer Acht, indem es ganz im Gegenteil den Blick davon ablenkt. Das Individuum kann vollständig auf Fleisch und Flüge verzichten, und das Fahrrad statt des Autos nehmen. Der Privatjetflug eines anderen Individuums macht das alles nicht nur wieder zunichte, sondern sorgt gleich für einen CO2-Ausstoß, der mit den mehrerer ganzen Menschenleben vergleichbar ist.
[1] 2004 stellte der Ölkonzern BP (früher: British Petroleum) einen Rechner vor, der die CO2-Emissionen der:des Einzelnen berechnen könne. Daraus resultierte, dass die Verantwortung für Emissionen spielerisch mit einer Werbekampagne von Konzernen auf Individuen umgewälzt wurden. Dieses Bild hat sich bis heute nicht vollständig aufgelöst, obgleich Gegenbeweise sichtbar [gemacht worden] sind. (siehe: https://www.ardalpha.de/wissen/umwelt/nachhaltigkeit/co2-fussabdruck-carbon-footprint-shell-exxon-bp-taeuschung-klima-100.html )

Ich denke diese Erkenntnis kann mehrere Resultate (inklusive ihrer Extremformen, wie Doomerism oder Ökoterrorismus) liefern, die meist ein Spektrum von Handlungsohnmacht bis Protest umfassen.
„We are doomed“ und können es [selbst] nicht ändern, weil die Mächtigen (für die dieses System funktioniert) kein Interesse daran haben.
Ich glaube nicht, dass es eine andere angebrachte Reaktion auf den Klimawandel (und andere Symptome der herrschenden Verhältnisse) gibt, die sich außerhalb dieses Spektrums befindet.
