Celina Penner | 31. Januar 2025 | Lesedauer 8 min

Um dieser Herausforderung gewachsen zu sein, definierte ich meine „Konsumfreie Woche“ als einen Zeitraum, in dem ich bewusst darauf achte, kein Geld auszugeben. Dabei überlegte ich mir, was ich in dieser Woche essen könnte und mir wurde schnell klar, dass ich oft Produkte kaufe, die ich dann nicht verwende und letztendlich wegwerfe. In den letzten Wochen habe ich manchmal so viel eingekauft, dass Lebensmittel ungenutzt blieben – ein Bild des Überflusses, bei dem mir bewusst ist, dass es grundsätzlich ein Privileg ist, aber dennoch mit der Verantwortung zu nachhaltigem Handeln einhergeht.

Der Beginn meiner konsummfreien Woche war überraschend gut. Mein Kühlschrank war nicht übervoll, aber dennoch mit genügend Lebensmitteln ausgestattet. Zunächst war es eine Herausforderung, meine Essgewohnheiten gewissermaßen umzustellen. Ich begann, mit dem zu kochen, was ich sowieso bereits hatte. Die angefangenen, tiefgefrorenen Gemüsetüten oder längst vergessenen Konserven wurden ausgepackt und aufgebraucht.
Ich mischte Reste von Nudeln miteinander und erfand spontane Gerichte aus dem, was ich vorfand. Das Einkaufen wurde ersetzt durch das Verarbeiten von Lebensmitteln, die ich bereits gekauft hatte. So habe ich unter anderem gelernt, wie ich mit einfachen Zutaten und ein bisschen Kreativität eigene Gerichte kreieren kann. Das war ein Prozess des Lernens und des Ausprobierens, bei dem zugegebener Weise nicht alles immer super schmeckte.
Besonders die Zubereitung selbstgebackenen Brotes war ein Erlebnis, das mir den Wert der Dinge vor Augen führte, die ich bereits besaß. Ich verwendete Mehlreste, die ich schon länger hatte, und mir wurde neu bewusst, wie schnell und einfach man beispielsweise Brot selbst machen kann. In diesem kreativen Schaffensprozess fand ich eine neue Freude am Kochen, die ich in der schnellen Alltagsroutine oft verloren hatte.
Mit den Tagen wurde es dann doch immer schwieriger. Die kleinen Versuchungen des Alltags blieben nicht aus. In der Hochschule habe ich mir sonst doch immer wieder einen Kaffee oder ein Brötchen gekauft, weil ich dann eben gerade Hunger oder Appetit hatte. Diese kleinen Käufe waren mir irgendwie oft gar nicht so bewusst, doch im Zuge meiner konsequenten Woche wurde mir klar, wie oft ich zur Geldbörse griff – ohne wirklich darüber nachzudenken.
Um mit dieser Herausforderung umzugehen, begann ich, diese als Chance zu sehen, um meine Gewohnheiten zu überdenken. Ich überlegte mir schon am Abend vorher, was ich am nächsten Tag als Snack mitnehmen könnte und anstatt mir in der Cafeteria einen Kaffee zu kaufen habe ich mir einfach eine Thermoskanne mit Kaffee von zuhause mitgenommen. Diese kleinen Änderungen führten dazu, dass ich bewusster und achtsamer mit meinen Gewohnheiten umging.
Insgesamt war diese Woche ohne Kaufverhalten eine bereichernde, wenn auch herausfordernde Erfahrung. Ich habe gelernt, dass Konsum nicht nur um Güter, sondern auch um Möglichkeiten, Kreativität und das bewusste Leben geht. Es ging nicht darum, Verzicht zu empfinden, sondern darum, die Fülle zu erkennen, die bereits um uns herum existiert. Wir haben so viel, dass wir das einzelne häufig nicht mehr wertschätzen.
In den letzten Tagen dieser Woche ist mir neu bewusst geworden, dass ich oft schon mehr habe, als ich brauche. Dieses Experiment hat mir die Augen geöffnet und ich habe die Überzeugung gewonnen, dass es möglich ist, nachhaltiger zu leben – ohne den ständigen Drang, Neues zu erwerben. Dieser Wandel ist mit Sicherheit ein Prozess, aber ich hoffe, dass ich diese neu gewonnene Erkenntnis in meinen Alltag integrieren kann.
Tatsächlich kann ich jetzt einige Wochen nach meinem Experiment sagen, dass sich mein Konsumverhalten verändert hat. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen und ich kaufe mir trotzdem immer noch mal einen Kaffee oder auch einen Snack, aber ich mache das viel bewusster. Ich weiß, dass es etwas Besonderes ist und achte darauf mehr mit dem zu arbeiten, was ich sowieso zuhause habe.
Dieses Prinzip konnte ich auch auf andere Bereiche ausweiten. Im Laufe der Woche habe ich intensiv darüber nachgedacht, was ich mit den verschiedenen Dingen machen könnte, die ich zuhause sammele, da ich sie eventuell irgendwann benötigen könnte. Da ich Kommunikationsdesign studiere, besitze ich besonders viel Papier. Darunter befinden sich alte Probedrucke, bemalte Skizzenzettel und eine Menge alter Magazine. Alles summiert sich in einem Schrank und liegt dort seit Ewigkeiten ungenutzt.
Doch was kann man mit Papierresten anstellen? Zunächst habe ich eine kleine Bestandsaufnahme gemacht und geschaut, was ich überhaupt so alles habe. Danach habe ich nicht lange gezögert, sondern einfach angepackt. Daraus sind drei Projekte hervorgegangen, die ich Ihnen hier kurz vorstellen möchte.
Projekt 1: Papier selbst herstellen
Meine erste Idee war, meine alten Papiere zu nutzen und daraus „neues“ Papier zu machen. Ich hatte so etwas schon häufiger gesehen und wollte es unbedingt mal ausprobieren. Also habe ich mich informiert, welche Schritte nötig sind. Hier ein Überblick:
Natürlich ist dieses Papier nicht mit üblichem Papier gleichzusetzen, aber dennoch wird einem der Wert des Papieres neu bewusst und man bekommt einen ganz neuen Bezug zu seinem eigenen Papier.






Projekt 2: Collage
Einige der Papierreste waren mir dann jedoch zu schön, um sie zu schreddern. Also habe ich angefangen, alle ansprechenden oder interessanten Teile auszuschneiden und damit anschließend neue Kompositionen zu entwerfen. Dabei habe ich mich besonders mit dem Konsum und seiner Darstellung in Magazinen und Zeitungen auseinandergesetzt. Daraus entstanden sind unter anderem:



Projekt 3: bon bag
Die dritte Papierkategorie, die mir sofort ins Auge fiel, sind alte Kassenbons. Das kennen viele von uns: alte Bons, die in Jackentaschen, Portemonnaies oder auch überall sonst zerknüllt herumliegen. In früheren Versuchen, meine Ausgaben im Blick zu haben, habe ich diese bereits mehrere Monate lang gesammelt, ohne wirklich darauf zu achten. Daher wollte ich auch mit dieser Papierkategorie etwas umsetzen. Nach längerem Überlegen habe ich die Bons alle nebeneinandergelegt, sodass ein großer „Stoff“ entstand. Dann habe ich die einzelnen Bons zusammengeklebt, mir ein Schnittmuster für eine Tasche überlegt und dieses Schnittmuster aus dem Bon-Stoff ausgeschnitten. Zunächst wollte ich die Tasche zusammennähen, doch dafür sind die Bons zu dünn, da sie schnell reißen. Daher habe ich die Tasche schließlich mit Klebeband verbunden.

Credits
Fotos: Celina Penner
Text: Celina Penner
Celina Penner
31. Januar 2025
Lesedauer 8 min

Um dieser Herausforderung gewachsen zu sein, definierte ich meine „Konsumfreie Woche“ als einen Zeitraum, in dem ich bewusst darauf achte, kein Geld auszugeben. Dabei überlegte ich mir, was ich in dieser Woche essen könnte und mir wurde schnell klar, dass ich oft Produkte kaufe, die ich dann nicht verwende und letztendlich wegwerfe. In den letzten Wochen habe ich manchmal so viel eingekauft, dass Lebensmittel ungenutzt blieben – ein Bild des Überflusses, bei dem mir bewusst ist, dass es grundsätzlich ein Privileg ist, aber dennoch mit der Verantwortung zu nachhaltigem Handeln einhergeht.

Der Beginn meiner konsummfreien Woche war überraschend gut. Mein Kühlschrank war nicht übervoll, aber dennoch mit genügend Lebensmitteln ausgestattet. Zunächst war es eine Herausforderung, meine Essgewohnheiten gewissermaßen umzustellen. Ich begann, mit dem zu kochen, was ich sowieso bereits hatte. Die angefangenen, tiefgefrorenen Gemüsetüten oder längst vergessenen Konserven wurden ausgepackt und aufgebraucht.
Ich mischte Reste von Nudeln miteinander und erfand spontane Gerichte aus dem, was ich vorfand. Das Einkaufen wurde ersetzt durch das Verarbeiten von Lebensmitteln, die ich bereits gekauft hatte. So habe ich unter anderem gelernt, wie ich mit einfachen Zutaten und ein bisschen Kreativität eigene Gerichte kreieren kann. Das war ein Prozess des Lernens und des Ausprobierens, bei dem zugegebener Weise nicht alles immer super schmeckte.
Besonders die Zubereitung selbstgebackenen Brotes war ein Erlebnis, das mir den Wert der Dinge vor Augen führte, die ich bereits besaß. Ich verwendete Mehlreste, die ich schon länger hatte, und mir wurde neu bewusst, wie schnell und einfach man beispielsweise Brot selbst machen kann. In diesem kreativen Schaffensprozess fand ich eine neue Freude am Kochen, die ich in der schnellen Alltagsroutine oft verloren hatte.
Mit den Tagen wurde es dann doch immer schwieriger. Die kleinen Versuchungen des Alltags blieben nicht aus. In Hochschule habe ich mir sonst doch immer wieder einen Kaffee oder ein Brötchen gekauft, weil ich dann eben gerade Hunger oder Appetit hatte. Diese kleinen Käufe waren mir irgendwie oft gar nicht so bewusst, doch im Zuge meiner konsequenten Woche wurde mir klar, wie oft ich zur Geldbörse griff – ohne wirklich darüber nachzudenken.
Um mit dieser Herausforderung umzugehen, begann ich, diese als Chance zu sehen, um meine Gewohnheiten zu überdenken. Ich überlegte mir schon am Abend vorher, was ich am nächsten Tag als Snack mitnehmen könnte und anstatt mir in der Cafeteria einen Kaffee zu kaufen habe ich mir einfach eine Thermoskanne mit Kaffee von zuhause mitgenommen. Diese kleinen Änderungen führten dazu, dass ich bewusster und achtsamer mit meinen Gewohnheiten umging.
Insgesamt war diese Woche ohne Kaufverhalten eine bereichernde, wenn auch herausfordernde Erfahrung. Ich habe gelernt, dass Konsum nicht nur um Güter, sondern auch um Möglichkeiten, Kreativität und das bewusste Leben geht. Es ging nicht darum, Verzicht zu empfinden, sondern darum, die Fülle zu erkennen, die bereits um uns herum existiert. Wir haben so viel, dass wir das einzelne häufig nicht mehr wertschätzen.
In den letzten Tagen dieser Woche ist mir neu bewusst geworden, dass ich oft schon mehr habe, als ich brauche. Dieses Experiment hat mir die Augen geöffnet und ich habe die Überzeugung gewonnen, dass es möglich ist, nachhaltiger zu leben – ohne den ständigen Drang, Neues zu erwerben. Dieser Wandel ist mit Sicherheit ein Prozess, aber ich hoffe, dass ich diese neu gewonnene Erkenntnis in meinen Alltag integrieren kann.
Tatsächlich kann ich jetzt einige Wochen nach meinem Experiment sagen, dass sich mein Konsumverhalten verändert hat. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen und ich kaufe mir trotzdem immer noch mal einen Kaffee oder auch einen Snack, aber ich mache das viel bewusster. Ich weiß, dass es etwas Besonderes ist und achte darauf mehr mit dem zu arbeiten, was ich sowieso zuhause habe.
Dieses Prinzip konnte ich auch auf andere Bereiche ausweiten. Im Laufe der Woche habe ich intensiv darüber nachgedacht, was ich mit den verschiedenen Dingen machen könnte, die ich zuhause sammele, da ich sie eventuell irgendwann benötigen könnte. Da ich Kommunikationsdesign studiere, besitze ich besonders viel Papier. Darunter befinden sich alte Probedrucke, bemalte Skizzenzettel und eine Menge alter Magazine. Alles summiert sich in einem Schrank und liegt dort seit Ewigkeiten ungenutzt.
Doch was kann man mit Papierresten anstellen? Zunächst habe ich eine kleine Bestandsaufnahme gemacht und geschaut, was ich überhaupt so alles habe. Danach habe ich nicht lange gezögert, sondern einfach angepackt. Daraus sind drei Projekte hervorgegangen, die ich Ihnen hier kurz vorstellen möchte.
Projekt 1: Papier selbst herstellen
Meine erste Idee war, meine alten Papiere zu nutzen und daraus „neues“ Papier zu machen. Ich hatte so etwas schon häufiger gesehen und wollte es unbedingt mal ausprobieren. Also habe ich mich informiert, welche Schritte nötig sind. Hier ein Überblick:
Natürlich ist dieses Papier nicht mit üblichem Papier gleichzusetzen, aber dennoch wird einem der Wert des Papieres neu bewusst und man bekommt einen ganz neuen Bezug zu seinem eigenen Papier.






Projekt 2: Collage
Einige der Papierreste waren mir dann jedoch zu schön, um sie zu schreddern. Also habe ich angefangen, alle ansprechenden oder interessanten Teile auszuschneiden und damit anschließend neue Kompositionen zu entwerfen. Dabei habe ich mich besonders mit dem Konsum und seiner Darstellung in Magazinen und Zeitungen auseinandergesetzt. Daraus entstanden sind unter anderem:



Projekt 3: bon bag
Die dritte Papierkategorie, die mir sofort ins Auge fiel, sind alte Kassenbons. Das kennen viele von uns: alte Bons, die in Jackentaschen, Portemonnaies oder auch überall sonst zerknüllt herumliegen. In früheren Versuchen, meine Ausgaben im Blick zu haben, habe ich diese bereits mehrere Monate lang gesammelt, ohne wirklich darauf zu achten. Daher wollte ich auch mit dieser Papierkategorie etwas umsetzen. Nach längerem Überlegen habe ich die Bons alle nebeneinandergelegt, sodass ein großer „Stoff“ entstand. Dann habe ich die einzelnen Bons zusammengeklebt, mir ein Schnittmuster für eine Tasche überlegt und dieses Schnittmuster aus dem Bon-Stoff ausgeschnitten. Zunächst wollte ich die Tasche zusammennähen, doch dafür sind die Bons zu dünn, da sie schnell reißen. Daher habe ich die Tasche schließlich mit Klebeband verbunden.

Credits
Fotos: Celina Penner
Text: Celina Penner