Timotheus Krajewski | 07. Januar 2025 | Lesedauer 12 min

[1] Eine Marke, die Schuhe 3D-Druckt, mit Made-to-Order Prinzip, dass den jeweiligen Schuh an den:die Kund:in anpasst. (siehe: https://zellerfeld.com)
Vom Wandern bis zum Kinderturnen; für jeden Anlass gibt es einen passenden Schuh. Sie stehen immer unterzeichnend unter einem Look als solchem. Besonders die Sneaker-Szene ist durchwachsen mit dem Anspruch daran, dass ein Schuh eine ganz spezifische Aufgabe zu erfüllen hat—auffallen. Serigne Buck-Gueye, ein Kommunikationsdesign Student, stieß noch während der Lockdown-Phasen auf die Laufweite der Bereiche, in denen sich verschiedene Arten der Schuhproduktion entfalten. Dass 3D-Druck eine Option ist, wird zum Fokus, als Serigne von Zellerfeld [1] erfährt.


Selbst beschreibt Buck sich als Technik-Nerd. Er erzählt, dass er sich 2022 einen 3D-Drucker zulegen konnte, mit dem er dann erste Tests machen konnte und Peu-à-Peu seine Skills vertiefte. Seine Neugierde galt in allen Belangen den Möglichkeiten Kleidung eine neue Ebene hinzufügen zu können.
Unter dem Namen same new beginning arbeitet Buck an verschiedenen Schuhmodellen, die mit 3D-Druck realisierbar sind. Der Titel des Projekts verfolgt den Anspruch traditionelle Features mit innovativen zu verschränken und damit einen neuen Anfang betrachten zu können.

[2] So beispielsweise in der Medizintechnik mit Prothesen und Implantaten, oder in der Architektur mit spezifischen Bauelementen oder Fassadenstrukturen.
Wie in den meisten Disziplinen hat die Nachhaltigkeit als Themengebiet längst Einzug in jegliche Welten des Designs gehalten. Design ist von Natur aus stark mit Innovation und dem Suchen nach Lösungen verbunden, doch das Zusammenspiel fordert auch technische Raffinesse und ein Umdenken in etablierten Produktionsprozessen. Im Fall der Schuhproduktion bedeutet das, dass die klassischen Materialien und Methoden überdacht werden müssen (wie etwa Klebungen, Gummi und Beschichtungen, Ösen und ähnliches). Stammen die Schuhe nun aus einem 3D-Drucker werden Designs möglich, die mit konventionellen Produktionsmethoden weder denk- noch umsetzbar wären. Darüber hinaus steht der:dem Designer:in auch die volle Kontrolle über Materialeinsatz, Härtegrade und Produktionsabfall zu. Diese Art Schuhdesign bedient sich eines konkreten Konzepts: der Monomaterialität.
Monomaterialität bezeichnet den Ansatz, ein Produkt ausschließlich aus einem Material zu fertigen. Diese Praxis ist in sich keine Neue — ein Beispiel sind Gegenstände aus Holz, die oft auch durch Holz (Dübel oder Steckverbindungen) verbunden sind, oder sogar ganz aus einem Stück Holz entstanden sind (wie etwa bei Kochlöffeln). Viele Produktionssegmente konnten sich durch 3D-Druck von weitaus komplexeren und fertigungsaufwendigen Verfahren verabschieden, und stattdessen dieselben Teile fortan einfach Drucken[2]. Durch den Verzicht auf mehrere Materialien die verschieden miteinander verbunden werden müssen kann das Material des Produkts wiederverwertet werden und den ökologischen Fußabdruck signifikant reduzieren.




Beginnend mit verschiedensten neugierigen Experimenten begibt sich Serigne Buck recht schnell in die Entwicklungsphase überzugehen. „Am Anfang ging es nur darum, das Material zu verstehen“, erzählt er. Unterschiedliche Filamente und ihre Eigenschaften unter verschiedenen Bedingungen testet er auf Flexibilität und Haltbarkeit, mit dem Ziel, die größtmögliche Harmonie gegenüber Belastung und Abrieb zu schaffen.
Besonders spannend empfand er die Entdeckung, wie stark jedwede kleine Druckeinstellungen das Ergebnis beeinflussen; dass nicht nur das Material, sondern auch die Struktur den Unterschied macht. Verschiedene Muster bieten andere Möglichkeiten, wie etwa Komfort, Stabilität und Härtegrad. Diese Designs eröffnen ihm eine neue Möglichkeit mit dem Konzept der Monomaterialität zu interagieren. Die gesammelten Erkenntnisse nutzt Serigne Buck dann, um seine Prototypen weiterzuentwickeln. Dass die Arbeit mit iterativer Herangehensweise verbunden ist, ist für ihn inzwischen integraler Bestandteil des Prozesses und eine Quelle stetiger Veränderung und Verbesserung.
Neben den technischen Herausforderungen erkannte Serigne früh, dass Fortschritt nicht isoliert steht. Er erklärt, dass er recht schnell in interdisziplinäre Netzwerke eingetreten ist und anhand der gemachten Erfahrungen anderer einen neuen Zugang zu Wissen finden konnte. Um seine Ideen vorantreiben zu können nutzt er die Austauschmöglichkeiten auch außerhalb der Foren und Netzwerke, in Kursen und Workshops. Er kommt unteranderem auch in näheren Kontakt mit Zellerfeld, mit denen er inzwischen zusammenarbeitet. [3]
[3] [Link zu Serignes Schuh bei Zellerfeld] https://www.zellerfeld.com/product/NiXXt2mbOBtFBJizCxJJ


Bestellt nun ein:e Käufer:in einen Schuh aus dem Drucker, kann das Modell individuell auf die Bedürfnisse der Person angepasst werden – dank eines digitalen Scans, der Fußform und ‑größe präzise erfasst. Diese Form der Personalisierung ist sowohl für den Tragekomfort und die Käufer:innen-Zufriedenheit vorteilhaft als auch für die Herstellung selbst.
Mit der Entwicklung eigener 3D-Modelle für Schuhe trägt Serigne Buck aktiv dazu bei, den Status quo der Modeindustrie herauszufordern und nachhaltigere Methoden zu etablieren. Gleichermaßen beeinflusst diese Herangehensweise auch das Konsumverhalten. Die Schuhe sind auf Langlebigkeit und wieder Verwendbarkeit ausgelegt, was die bewusste Abkehr von der Wegwerfmentalität fordert. Durch den Fokus auf lokale und bedarfsgerechte Produktion bietet 3D-Druck zudem die Chance, Lieferketten zu verkürzen und Überproduktion zu vermeiden. Die Möglichkeiten des effizienten Recyclings und der materiellen, wie auch ästhetischen Innovation sind wegweisende Vorteile für die Branche, die für ihre großen Abfallmengen bekannt ist.
Credits
Fotos: Ausstellung: Luca Finkl
Text: Timotheus Krajewski
Renderings & Skizzen: Serigne Buck
Verlinkungen: @samenewbeginning
Timotheus Krajewski | 07. Januar 2025 | Lesedauer 12 min

Vom Wandern bis zum Kinderturnen; für jeden Anlass gibt es einen passenden Schuh. Sie stehen immer unterzeichnend unter einem Look als solchem. Besonders die Sneaker-Szene ist durchwachsen mit dem Anspruch daran, dass ein Schuh eine ganz spezifische Aufgabe zu erfüllen hat—auffallen. Serigne Buck-Gueye, ein Kommunikationsdesign Student, stieß noch während der Lockdown-Phasen auf die Laufweite der Bereiche, in denen sich verschiedene Arten der Schuhproduktion entfalten. Dass 3D-Druck eine Option ist, wird zum Fokus, als Serigne von Zellerfeld [1] erfährt.
[1] Eine Marke, die Schuhe 3D-Druckt, mit Made-to-Order Prinzip, dass den jeweiligen Schuh an den:die Kund:in anpasst. (siehe: https://zellerfeld.com)


Selbst beschreibt Buck sich als Technik-Nerd. Er erzählt, dass er sich 2022 einen 3D-Drucker zulegen konnte, mit dem er dann erste Tests machen konnte und Peu-à-Peu seine Skills vertiefte. Seine Neugierde galt in allen Belangen den Möglichkeiten Kleidung eine neue Ebene hinzufügen zu können.
Unter dem Namen same new beginning arbeitet Buck an verschiedenen Schuhmodellen, die mit 3D-Druck realisierbar sind. Der Titel des Projekts verfolgt den Anspruch traditionelle Features mit innovativen zu verschränken und damit einen neuen Anfang betrachten zu können.

Wie in den meisten Disziplinen hat die Nachhaltigkeit als Themengebiet längst Einzug in jegliche Welten des Designs gehalten. Design ist von Natur aus stark mit Innovation und dem Suchen nach Lösungen verbunden, doch das Zusammenspiel fordert auch technische Raffinesse und ein Umdenken in etablierten Produktionsprozessen. Im Fall der Schuhproduktion bedeutet das, dass die klassischen Materialien und Methoden überdacht werden müssen (wie etwa Klebungen, Gummi und Beschichtungen, Ösen und ähnliches). Stammen die Schuhe nun aus einem 3D-Drucker werden Designs möglich, die mit konventionellen Produktionsmethoden weder denk- noch umsetzbar wären. Darüber hinaus steht der:dem Designer:in auch die volle Kontrolle über Materialeinsatz, Härtegrade und Produktionsabfall zu. Diese Art Schuhdesign bedient sich eines konkreten Konzepts: der Monomaterialität.
Monomaterialität bezeichnet den Ansatz, ein Produkt ausschließlich aus einem Material zu fertigen. Diese Praxis ist in sich keine Neue — ein Beispiel sind Gegenstände aus Holz, die oft auch durch Holz (Dübel oder Steckverbindungen) verbunden sind, oder sogar ganz aus einem Stück Holz entstanden sind (wie etwa bei Kochlöffeln). Viele Produktionssegmente konnten sich durch 3D-Druck von weitaus komplexeren und fertigungsaufwendigen Verfahren verabschieden, und stattdessen dieselben Teile fortan einfach Drucken[2]. Durch den Verzicht auf mehrere Materialien die verschieden miteinander verbunden werden müssen kann das Material des Produkts wiederverwertet werden und den ökologischen Fußabdruck signifikant reduzieren.
[2] So beispielsweise in der Medizintechnik mit Prothesen und Implantaten, oder in der Architektur mit spezifischen Bauelementen oder Fassadenstrukturen.




Beginnend mit verschiedensten neugierigen Experimenten begibt sich Serigne Buck recht schnell in die Entwicklungsphase überzugehen. „Am Anfang ging es nur darum, das Material zu verstehen“, erzählt er. Unterschiedliche Filamente und ihre Eigenschaften unter verschiedenen Bedingungen testet er auf Flexibilität und Haltbarkeit, mit dem Ziel, die größtmögliche Harmonie gegenüber Belastung und Abrieb zu schaffen.
Besonders spannend empfand er die Entdeckung, wie stark jedwede kleine Druckeinstellungen das Ergebnis beeinflussen; dass nicht nur das Material, sondern auch die Struktur den Unterschied macht. Verschiedene Muster bieten andere Möglichkeiten, wie etwa Komfort, Stabilität und Härtegrad. Diese Designs eröffnen ihm eine neue Möglichkeit mit dem Konzept der Monomaterialität zu interagieren. Die gesammelten Erkenntnisse nutzt Serigne Buck dann, um seine Prototypen weiterzuentwickeln. Dass die Arbeit mit iterativer Herangehensweise verbunden ist, ist für ihn inzwischen integraler Bestandteil des Prozesses und eine Quelle stetiger Veränderung und Verbesserung.
Neben den technischen Herausforderungen erkannte Serigne früh, dass Fortschritt nicht isoliert steht. Er erklärt, dass er recht schnell in interdisziplinäre Netzwerke eingetreten ist und anhand der gemachten Erfahrungen anderer einen neuen Zugang zu Wissen finden konnte. Um seine Ideen vorantreiben zu können nutzt er die Austauschmöglichkeiten auch außerhalb der Foren und Netzwerke, in Kursen und Workshops. Er kommt unteranderem auch in näheren Kontakt mit Zellerfeld, mit denen er inzwischen zusammenarbeitet. [3]
[3] [Link zu Serignes Schuh bei Zellerfeld] https://www.zellerfeld.com/product/NiXXt2mbOBtFBJizCxJJ


Bestellt nun ein:e Käufer:in einen Schuh aus dem Drucker, kann das Modell individuell auf die Bedürfnisse der Person angepasst werden – dank eines digitalen Scans, der Fußform und ‑größe präzise erfasst. Diese Form der Personalisierung ist sowohl für den Tragekomfort und die Käufer:innen-Zufriedenheit vorteilhaft als auch für die Herstellung selbst.
Mit der Entwicklung eigener 3D-Modelle für Schuhe trägt Serigne Buck aktiv dazu bei, den Status quo der Modeindustrie herauszufordern und nachhaltigere Methoden zu etablieren. Gleichermaßen beeinflusst diese Herangehensweise auch das Konsumverhalten. Die Schuhe sind auf Langlebigkeit und wieder Verwendbarkeit ausgelegt, was die bewusste Abkehr von der Wegwerfmentalität fordert. Durch den Fokus auf lokale und bedarfsgerechte Produktion bietet 3D-Druck zudem die Chance, Lieferketten zu verkürzen und Überproduktion zu vermeiden. Die Möglichkeiten des effizienten Recyclings und der materiellen, wie auch ästhetischen Innovation sind wegweisende Vorteile für die Branche, die für ihre großen Abfallmengen bekannt ist.
Credits
Fotos: Ausstellung: Luca Finkl
Text: Timotheus Krajewski
Renderings & Skizzen: Serigne Buck
Verlinkungen: @samenewbeginning