Neele Wette | 24. Januar 2025 | Lesedauer 6 min

Was die meisten gar nicht wissen, oder versuchen zu ignorieren, ist die Tatsache, dass in Textilien etliche Chemikalien und Giftstoffe stecken. Diese gelangen durch Waschgänge ins Trinkwasser und anschließend in unseren Körper.
Stellen wir uns mal vor, dass keine Giftstoffe in unserer Kleidung stecken, sondern heilende Kräuter.
Roma Pawlak hat sich genau mit diesem Thema beschäftigt. In ihrer Masterarbeit mit dem Thema „Balance Lab“, geht es um die Wirkung von Kräutern auf den Körper, wenn diese zum Färben von Textilien genutzt werden. Roma hat dabei eine Kollektion entwickelt, die sich sowohl auf spiritueller Ebene als auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit mit dem Wohlbefinden des Körpers befasst.
In einem Gespräch erzählte sie mir von ihrem Anspruch, Mode zu schaffen, die sich der Natur fügt und nicht andersherum, wie es bei Fast Fashion Labels der Fall ist.
Ursprünglich wollte Roma Medizin studieren. Als sie sich dann doch dafür entschied, den kreativeren Weg einzuschlagen, war eins klar: Trotzdem etwas zu tun, was gut für den Körper ist. Dafür beschäftigte Roma sich viel mit der indischen Kultur und der Ayurveda Technik, die einen lehrt, den Körper, den Geist und die Seele in Einklang zu bringen. Dazu gehört auch, den Körper von Schadstoffen zu befreien.
Eine große Inspirationsquelle war die indische Kultur mit ihrer langen Vergangenheit des Kunsthandwerks und Tradition. Sie beschäftigte sich unter anderem mit Mahatma Gandhi, der schon damals von Minimalismus und Rückbesinnung sprach.
Diese Werte waren auch Roma bei der Gestaltung ihrer Kollektion wichtig. Viele Teile wurden wie auch in der indischen Kultur per Hand zusammengenäht. Roma beschreibt diese Arbeit als meditativ. Außerdem bekommt das Kleidungsstück so direkt eine viel höhere Wertigkeit und einen persönlichen Bezug. Viele Menschen haben so viel Kleidung in ihrem Kleiderschrank liegen, dass sie gar keinen Bezug dazu aufbauen können. Daher fällt es ihnen dann auch nicht schwer etwas wegzuschmeißen und durch neue Kleidung zu ersetzen. Wenn man jedoch Kleidung mit einer Geschichte kauft, die mit Liebe gefertigt wurde und bei der jedes Teil etwas ganz Besonderes ist, dann pflegt man diese auch viel besser.


Doch nicht nur der Überkonsum ist schlecht, wenn es um Fast Fashion geht. Die Chemikalien, die zum Färben von Stoffen genutzt werden, sind sehr schädlich für unsere Gesundheit. Zum einen kann die Haut diese direkt aufnehmen, zum anderen gelangen bei jedem Waschgang Chemikalien ins Wasser, die sich nicht raus filtern lassen und über das Trinkwasser in unseren Körper gelangen. Das hat einen enormen Einfluss auf unseren Hormonhaushalt und das Immunsystem. Außerdem ist nachgewiesen, dass sich viele Krankheiten darauf zurückführen lassen. [1]
Viele versuchen der Fast Fashion Bewegung entgegenzuwirken, indem sie Second-Hand Kleidung einkaufen. Die darin enthaltenen Chemikalien sind hauptsächlich schon raus gespült worden und die Kleidung ist somit auch besser für den Körper. Trotzdem ist dieser Weg immer noch nicht die endgültige Lösung.
Jahrhundertelang haben die Menschen ihre Kleidung mit Pflanzen gefärbt oder ihre Medikamente damit hergestellt. Es hat viele Vorteile, dass sich die Welt seitdem weiterentwickelt hat, aber in einigen Aspekten wäre es wichtig, sich zurückzubesinnen und auf alte Techniken zurückzugreifen. Roma hat sich daher mit sehr traditionellen indischen Färbeverfahren auseinandergesetzt und diese auf heimische Pflanzen übertragen. Sie hat an einer Kräuterwanderung teilgenommen und dabei erfahren, dass das Alter der Pflanze und die Jahreszeit darüber entscheiden, welche Farbe bei der Gewinnung entsteht.

Für ihre Experimente verwendete Roma Minze, Brennnessel, Ringelblume, Lavendel und Holunder. Zusammen mit anderen Studierenden, die im Labor tätig sind, erforschte sie dann, dass vor allem Brennnessel und Minze eine starke antibakterielle Wirkung besitzen. Dabei spielen Intensität und Dosierung eine wichtige Rolle. Nach circa 20 Wäschen verblasst die Kleidung. Viele sehen das als Nachteil, oder sogar als Grund sie nicht zu kaufen. Wenn man jedoch mal die Perspektive wechselt, kann man das Verblassen auch als Möglichkeit sehen, um die Kleidung mit einer anderen Pflanze zu färben und somit nicht nur eine neue Farbe zu erhalten, sondern auch eine neue Wirkung der Pflanze. Automatisch entsteht dadurch aber auch eine höhere Wertschätzung. Generell waschen die meisten Menschen viel zu viel. Häufig reicht es schon aus, die Kleidung zu lüften. Dadurch wird der Wasserverbrauch minimiert und das Kleidungsstück hält deutlich länger. Durch jeden Waschgang wird die Kleidung stark beansprucht. Die Fasern reiben aneinander, Farben verlieren an Intensität und das Material wird mit der Zeit dünner oder verzieht sich, was letztlich dazu führt, dass das Kleidungsstück schneller unbrauchbar wird. (2)
Die Kollektion hat Einflüsse aus der klassischen Herrenkleidung, sowohl aus der westlichen als auch aus der indischen Schnittgestaltung, die miteinander kombiniert und auf den weiblichen Körper übertragen werden. Während sich bei der westlichen Schnittgestaltung der Körper eher der Kleidung anpasst, ist bei der indischen Kleidung das Gegenteil der Fall. In der Kollektion werden keine Knöpfe, Reißverschlüsse oder ähnliches verarbeitet, sondern eine indische Schlitz- und Wickeltechnik, die es ermöglicht, die Kleidung an alle Körpertypen anzupassen. Da es beim Färben mit natürlichen Färbemitteln wichtig ist zu 100% Naturfasern zu verwenden, hat Roma ausschließlich aus Baumwolle, Leinen und Seide gefertigt, die sie zum Großteil Second-Hand von belgischen Designern bekommen hat. Sie erklärte mir, dass in ihrer Kollektion die Macht von innen herauskommt, während sie von außen eher schlicht ist. Das macht sie wiederum vielseitig kombinierbar und zeitlos.
Es ist klar, dass sich nicht jeder für Nachhaltigkeit interessiert oder dafür sensibilisieren lässt. Es geht Roma aber darum, eine Art Parallel-Welt zu schaffen, für alle die offen sind und für diejenigen, die sich vielleicht doch noch öffnen möchten. Diesen Aspekt finde ich persönlich sehr wichtig. Es geht nicht immer darum, die ganze Welt zu verändern, sondern darum, dass jeder für sich selbst mit einem reinen Gewissen handelt. Wenn man damit nur eine Hand voll Menschen inspiriert hat, dann hat man einen großen Teil beigetragen.
Ich persönlich habe aus dem Gespräch mit Roma mitgenommen, dass Nachhaltigkeit weniger etwas mit Verzicht, sondern mit Wertschätzung zu tun hat. Es ist wichtig eine tiefe Bindung und Dankbarkeit für das, was man hat aufzubauen und sich auf die Kraft der Natur zu besinnen. Die Natur liefert einem so viele Möglichkeiten und wenn man ihr im Gegensatz auch etwas zurückgibt, dann hat man den Kreislauf des Lebens verstanden.
Neele Wette
24. Januar 2025
Lesedauer 6 min

Was die meisten gar nicht wissen, oder versuchen zu ignorieren, ist die Tatsache, dass in Textilien etliche Chemikalien und Giftstoffe stecken. Diese gelangen durch Waschgänge ins Trinkwasser und anschließend in unseren Körper.
Stellen wir uns mal vor, dass keine Giftstoffe in unserer Kleidung stecken, sondern heilende Kräuter.
Roma Pawlak hat sich genau mit diesem Thema beschäftigt. In ihrer Masterarbeit mit dem Thema „Balance Lab“, geht es um die Wirkung von Kräutern auf den Körper, wenn diese zum Färben von Textilien genutzt werden. Roma hat dabei eine Kollektion entwickelt, die sich sowohl auf spiritueller Ebene als auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit mit dem Wohlbefinden des Körpers befasst.
In einem Gespräch erzählte sie mir von ihrem Anspruch, Mode zu schaffen, die sich der Natur fügt und nicht andersherum, wie es bei Fast Fashion Labels der Fall ist.
Ursprünglich wollte Roma Medizin studieren. Als sie sich dann doch dafür entschied, den kreativeren Weg einzuschlagen, war eins klar: Trotzdem etwas zu tun, was gut für den Körper ist. Dafür beschäftigte Roma sich viel mit der indischen Kultur und der Ayurveda Technik, die einen lehrt, den Körper, den Geist und die Seele in Einklang zu bringen. Dazu gehört auch, den Körper von Schadstoffen zu befreien.
Eine große Inspirationsquelle war die indische Kultur mit ihrer langen Vergangenheit des Kunsthandwerks und Tradition. Sie beschäftigte sich unter anderem mit Mahatma Gandhi, der schon damals von Minimalismus und Rückbesinnung sprach.
Diese Werte waren auch Roma bei der Gestaltung ihrer Kollektion wichtig. Viele Teile wurden wie auch in der indischen Kultur per Hand zusammengenäht. Roma beschreibt diese Arbeit als meditativ. Außerdem bekommt das Kleidungsstück so direkt eine viel höhere Wertigkeit und einen persönlichen Bezug. Viele Menschen haben so viel Kleidung in ihrem Kleiderschrank liegen, dass sie gar keinen Bezug dazu aufbauen können. Daher fällt es ihnen dann auch nicht schwer etwas wegzuschmeißen und durch neue Kleidung zu ersetzen. Wenn man jedoch Kleidung mit einer Geschichte kauft, die mit Liebe gefertigt wurde und bei der jedes Teil etwas ganz Besonderes ist, dann pflegt man diese auch viel besser.


Doch nicht nur der Überkonsum ist schlecht, wenn es um Fast Fashion geht. Die Chemikalien, die zum Färben von Stoffen genutzt werden, sind sehr schädlich für unsere Gesundheit. Zum einen kann die Haut diese direkt aufnehmen, zum anderen gelangen bei jedem Waschgang Chemikalien ins Wasser, die sich nicht raus filtern lassen und über das Trinkwasser in unseren Körper gelangen. Das hat einen enormen Einfluss auf unseren Hormonhaushalt und das Immunsystem. Außerdem ist nachgewiesen, dass sich viele Krankheiten darauf zurückführen lassen. [1]
Viele versuchen der Fast Fashion Bewegung entgegenzuwirken, indem sie Second-Hand Kleidung einkaufen. Die darin enthaltenen Chemikalien sind hauptsächlich schon raus gespült worden und die Kleidung ist somit auch besser für den Körper. Trotzdem ist dieser Weg immer noch nicht die endgültige Lösung.
Jahrhundertelang haben die Menschen ihre Kleidung mit Pflanzen gefärbt oder ihre Medikamente damit hergestellt. Es hat viele Vorteile, dass sich die Welt seitdem weiterentwickelt hat, aber in einigen Aspekten wäre es wichtig, sich zurückzubesinnen und auf alte Techniken zurückzugreifen. Roma hat sich daher mit sehr traditionellen indischen Färbeverfahren auseinandergesetzt und diese auf heimische Pflanzen übertragen. Sie hat an einer Kräuterwanderung teilgenommen und dabei erfahren, dass das Alter der Pflanze und die Jahreszeit darüber entscheiden, welche Farbe bei der Gewinnung entsteht.

Für ihre Experimente verwendete Roma Minze, Brennnessel, Ringelblume, Lavendel und Holunder. Zusammen mit anderen Studierenden, die im Labor tätig sind, erforschte sie dann, dass vor allem Brennnessel und Minze eine starke antibakterielle Wirkung besitzen. Dabei spielen Intensität und Dosierung eine wichtige Rolle. Nach circa 20 Wäschen verblasst die Kleidung. Viele sehen das als Nachteil, oder sogar als Grund sie nicht zu kaufen. Wenn man jedoch mal die Perspektive wechselt, kann man das Verblassen auch als Möglichkeit sehen, um die Kleidung mit einer anderen Pflanze zu färben und somit nicht nur eine neue Farbe zu erhalten, sondern auch eine neue Wirkung der Pflanze. Automatisch entsteht dadurch aber auch eine höhere Wertschätzung. Generell waschen die meisten Menschen viel zu viel. Häufig reicht es schon aus, die Kleidung zu lüften. Dadurch wird der Wasserverbrauch minimiert und das Kleidungsstück hält deutlich länger. Durch jeden Waschgang wird die Kleidung stark beansprucht. Die Fasern reiben aneinander, Farben verlieren an Intensität und das Material wird mit der Zeit dünner oder verzieht sich, was letztlich dazu führt, dass das Kleidungsstück schneller unbrauchbar wird. (2)
Die Kollektion hat Einflüsse aus der klassischen Herrenkleidung, sowohl aus der westlichen als auch aus der indischen Schnittgestaltung, die miteinander kombiniert und auf den weiblichen Körper übertragen werden. Während sich bei der westlichen Schnittgestaltung der Körper eher der Kleidung anpasst, ist bei der indischen Kleidung das Gegenteil der Fall. In der Kollektion werden keine Knöpfe, Reißverschlüsse oder ähnliches verarbeitet, sondern eine indische Schlitz- und Wickeltechnik, die es ermöglicht, die Kleidung an alle Körpertypen anzupassen. Da es beim Färben mit natürlichen Färbemitteln wichtig ist zu 100% Naturfasern zu verwenden, hat Roma ausschließlich aus Baumwolle, Leinen und Seide gefertigt, die sie zum Großteil Second-Hand von belgischen Designern bekommen hat. Sie erklärte mir, dass in ihrer Kollektion die Macht von innen herauskommt, während sie von außen eher schlicht ist. Das macht sie wiederum vielseitig kombinierbar und zeitlos.
Es ist klar, dass sich nicht jeder für Nachhaltigkeit interessiert oder dafür sensibilisieren lässt. Es geht Roma aber darum, eine Art Parallel-Welt zu schaffen, für alle die offen sind und für diejenigen, die sich vielleicht doch noch öffnen möchten. Diesen Aspekt finde ich persönlich sehr wichtig. Es geht nicht immer darum, die ganze Welt zu verändern, sondern darum, dass jeder für sich selbst mit einem reinen Gewissen handelt. Wenn man damit nur eine Hand voll Menschen inspiriert hat, dann hat man einen großen Teil beigetragen.
Ich persönlich habe aus dem Gespräch mit Roma mitgenommen, dass Nachhaltigkeit weniger etwas mit Verzicht, sondern mit Wertschätzung zu tun hat. Es ist wichtig eine tiefe Bindung und Dankbarkeit für das, was man hat aufzubauen und sich auf die Kraft der Natur zu besinnen. Die Natur liefert einem so viele Möglichkeiten und wenn man ihr im Gegensatz auch etwas zurückgibt, dann hat man den Kreislauf des Lebens verstanden.