Paula Fobbe | 19. Februar 2025 | Lesedauer 8 min

Um das herauszufinden, wurden die Herstellungsarten der beiden Textilien erstmal genau angeschaut.
Wie man sich bestimmt denken kann, ist der Herstellungsprozess von tierischem Leder weit aus aufwendiger als der des Kunstleders [1]. Nach dem Häuten der Tiere muss die Haut direkt in einer Salzlake eingelegt werden, um nicht zu verderben. Danach wird die Haut gründlich gereinigt, damit das Leder weich bleibt und sauber wird. Durch das sogenannte Äschern werden die übergebliebenen Fleisch, Fett und Bindegewebe, sowie das Fell entfernt.
[1} https://www.peterhahn.de/magazin/leder-nachhaltigkeit/ (19.02.2025)
Dann folgt der Gerbprozess, wo es schon viele Methoden gibt und die Meinungen der Menschen weit auseinandergehen, was nun umweltfreundlich ist und was nicht.
Die häufigste Gerbmethode ist die Chromgerbung [2]. Entgegen der Erwartung ist diese nicht gesundheitsschädlich. Bei dieser Gerbung wird mit den Chrom-III Salzen gearbeitet. Vorteil dieser Technik ist die bessere Reißfestigkeit, aber auch die günstige und schnelle Verarbeitung.
Es gibt auch eine pflanzliche Gerbung [2]. Diese wird zum Beispiel mit Eichen- oder Fichtenrinde, Rhabarberwurzeln, Mimosarinde oder Olivenblättern durchgeführt. Dabei entscheidet unter anderem die Rindenart die Farbe des Leders. So wird das Leder mit Fichte oder Eiche eher hellbraun, während es bei der Rinde von der Kastanie rötlicher wird und bei der Weide gelb.
Die synthetische Gerbung [2] wird meist mit der Chromgerbung oder der Pflanzlichen Gerbung gemischt. Dabei werden zusätzlich noch künstlich hergestellte Gerbstoffe verwendet.
Es gibt sehr viele verschiedene Gerbungsmethoden aber keine davon ist besonders schlecht oder besonders gut für die Umwelt. Das entscheidende ist die Produktion. Zum Beispiel ist die verwendete Wassermenge und wie gut die Kläranlagen das gebrauchte Wasser säubert, sehr wichtig.
Nach dem Gerben muss das Leder erst trocknen, um weiterverarbeitet zu werden. Beim Trocknen verspannt sich das Leder und wird sehr hart. Für Schuhe oder Taschen kann das Leder so verwendet werden aber für Bekleidung muss das Leder erst wieder weich gemacht werden. Aber erst muss das Leder wieder etwas angefeuchtet werden. Auch da gibt es viele Möglichkeiten wie das Einspännen, Klimatisieren oder Anfeuchten. Danach werden die Leder durch Stollen, Schlichten oder Millen und Walken weich gemacht, wobei häufig für Rau-Leder die Technik des Millen und Walken verwendet wird, wo das Leder in ein Fass gelegt wird und dort trockengewalkt wird. Vorteil dieser Methode ist, dass man mit einem Durchgang direkt mehrere Leder bearbeiten kann. Als letzten Schritt wird manchmal noch eine zusätzliche Farbschicht, sowie ein wasser- und fleckabweisender Schutz aufgetragen.
Im Gegensatz zur Echtlederverarbeitung ist die Kunstlederherstellung sehr schnell und einfach [3]. Dabei wird bei zum Beispiel PU-Kunstleder eine Polyurethanschicht auf einen Textiluntergrund gebracht, geprägt und gefärbt.
[3} https://www.mr-beam.org/blogs/news/was-ist-kunstleder (19.02.2025)
Wenn man die beiden Lederarten vergleicht, fallen einem viele Unterschiede auf.
So ist bei dem Echtleder natürlich ein großer Nachteil, dass es ein tierisches Produkt ist und meist vom Rind, Büffel, Ziege, Lamm, Hirsch, Reh, Schwein oder Wildschwein stammt. Aber dadurch ist es auch ein reines Naturprodukt. Bei der richtigen Pflege ist der eindeutige Vorteil aber die hohe Qualität und Langlebigkeit. Zudem ist Leder sehr robust und atmungsaktiv.
Wer gut produziertes Echtleder kaufen will sollte auf das Siegel „Naturleder Standard des internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft“ (kurz: IVN) achten. Dieser kontrolliert den gesamten Prozess von Tierwohl bis Verkauf der fertigen Ware. Es wird auf Qualität und Ökologie geachtet. Geprüft werden die Umweltbelastung, Gefahrenstoffe, Entsorgung, Recycelfähigkeit und der Gesundheitsaspekt der beschäftigten Menschen in der Produktion, sowie die der Endverbraucher.
Dagegen punktet das Kunstleder mit der einfachen Pflege und dem günstigeren Preisen. Es ist kein Tierprodukt und hat somit auch weniger Verschnitt. Allerdings ist es aus Kunststoff, was bedeutet es ist nicht abbaubar. Bei der Herstellung wird häufig Erdöl, giftige Schwermetalle und andere Schadstoffe verwendet. Auch ist das künstliche Leder nicht so langlebig und hält nur drei bis fünf Jahre und ist nur wenig bis gar nicht atmungsaktiv. Doch auch hier gibt es schon gute Lösungsansätze.
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Biokunstlederarten, auch veganes Leder genannt [4]. Solche Kunstlederalternativen werden aus den verschiedensten Materialien hergestellt, die meist sogar Abfallprodukte anderer Industrien sind.
[4} https://www.peta-schweiz.ch/veganleben/veganes-leder/ (19.02.2025)
Abschließend lässt sich sagen, dass es für alle Arten des Leders gute, aber auch schlechte Varianten gibt. Es gibt keinen eindeutigen Gewinner der Frage welches Leder das nachhaltigste ist. Während Kunstleder in der Produktion besser abschneidet, tut es das Echtleder mit dem Aspekt der Langlebigkeit. Echtleder ist allerdings mit einem hohen Wasserverbrauch in der Produktion verbunden, während Kunstleder nicht recycelbar ist, was zur Umweltverschmutzung beiträgt.
So ist die wohl nachhaltigste Lösung secondhand Echtlederprodukte. Wenn es von dem Vorbesitzer richtig gepflegt wurde, hat auch der nachfolgende Besitzer noch lange was von dem Produkt.
Daran angeschlossen würde ich die Kunstlederalternativen zu den nachhaltigen Produkten zählen, da sie viel aus Abfallprodukten gewonnen werden und somit weniger Rohstoffe verwendet werden. Darauffolgt das Echtleder mit dem IVN-Siegel.

Credits
Grafik: Paula Fobbe
Text: Paula Fobbe
Paula Fobbe
19. Februar 2025
Lesedauer 8 min

Um das herauszufinden, wurden die Herstellungsarten der beiden Textilien erstmal genau angeschaut.
Wie man sich bestimmt denken kann, ist der Herstellungsprozess von tierischem Leder weit aus aufwendiger als der des Kunstleders [1]. Nach dem Häuten der Tiere muss die Haut direkt in einer Salzlake eingelegt werden, um nicht zu verderben. Danach wird die Haut gründlich gereinigt, damit das Leder weich bleibt und sauber wird. Durch das sogenannte Äschern werden die übergebliebenen Fleisch, Fett und Bindegewebe, sowie das Fell entfernt.
[1} https://www.peterhahn.de/magazin/leder-nachhaltigkeit/ (19.02.2025)
Dann folgt der Gerbprozess, wo es schon viele Methoden gibt und die Meinungen der Menschen weit auseinandergehen, was nun umweltfreundlich ist und was nicht.
Die häufigste Gerbmethode ist die Chromgerbung [2]. Entgegen der Erwartung ist diese nicht gesundheitsschädlich. Bei dieser Gerbung wird mit den Chrom-III Salzen gearbeitet. Vorteil dieser Technik ist die bessere Reißfestigkeit, aber auch die günstige und schnelle Verarbeitung.
Es gibt auch eine pflanzliche Gerbung [2]. Diese wird zum Beispiel mit Eichen- oder Fichtenrinde, Rhabarberwurzeln, Mimosarinde oder Olivenblättern durchgeführt. Dabei entscheidet unter anderem die Rindenart die Farbe des Leders. So wird das Leder mit Fichte oder Eiche eher hellbraun, während es bei der Rinde von der Kastanie rötlicher wird und bei der Weide gelb.
Die synthetische Gerbung [2] wird meist mit der Chromgerbung oder der Pflanzlichen Gerbung gemischt. Dabei werden zusätzlich noch künstlich hergestellte Gerbstoffe verwendet.
Es gibt sehr viele verschiedene Gerbungsmethoden aber keine davon ist besonders schlecht oder besonders gut für die Umwelt. Das entscheidende ist die Produktion. Zum Beispiel ist die verwendete Wassermenge und wie gut die Kläranlagen das gebrauchte Wasser säubert, sehr wichtig.
Nach dem Gerben muss das Leder erst trocknen, um weiterverarbeitet zu werden. Beim Trocknen verspannt sich das Leder und wird sehr hart. Für Schuhe oder Taschen kann das Leder so verwendet werden aber für Bekleidung muss das Leder erst wieder weich gemacht werden. Aber erst muss das Leder wieder etwas angefeuchtet werden. Auch da gibt es viele Möglichkeiten wie das Einspännen, Klimatisieren oder Anfeuchten. Danach werden die Leder durch Stollen, Schlichten oder Millen und Walken weich gemacht, wobei häufig für Rau-Leder die Technik des Millen und Walken verwendet wird, wo das Leder in ein Fass gelegt wird und dort trockengewalkt wird. Vorteil dieser Methode ist, dass man mit einem Durchgang direkt mehrere Leder bearbeiten kann. Als letzten Schritt wird manchmal noch eine zusätzliche Farbschicht, sowie ein wasser- und fleckabweisender Schutz aufgetragen.
Im Gegensatz zur Echtlederverarbeitung ist die Kunstlederherstellung sehr schnell und einfach [3]. Dabei wird bei zum Beispiel PU-Kunstleder eine Polyurethanschicht auf einen Textiluntergrund gebracht, geprägt und gefärbt.
[3} https://www.mr-beam.org/blogs/news/was-ist-kunstleder (19.02.2025)
Wenn man die beiden Lederarten vergleicht, fallen einem viele Unterschiede auf.
So ist bei dem Echtleder natürlich ein großer Nachteil, dass es ein tierisches Produkt ist und meist vom Rind, Büffel, Ziege, Lamm, Hirsch, Reh, Schwein oder Wildschwein stammt. Aber dadurch ist es auch ein reines Naturprodukt. Bei der richtigen Pflege ist der eindeutige Vorteil aber die hohe Qualität und Langlebigkeit. Zudem ist Leder sehr robust und atmungsaktiv.
Wer gut produziertes Echtleder kaufen will sollte auf das Siegel „Naturleder Standard des internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft“ (kurz: IVN) achten. Dieser kontrolliert den gesamten Prozess von Tierwohl bis Verkauf der fertigen Ware. Es wird auf Qualität und Ökologie geachtet. Geprüft werden die Umweltbelastung, Gefahrenstoffe, Entsorgung, Recycelfähigkeit und der Gesundheitsaspekt der beschäftigten Menschen in der Produktion, sowie die der Endverbraucher.
Dagegen punktet das Kunstleder mit der einfachen Pflege und dem günstigeren Preisen. Es ist kein Tierprodukt und hat somit auch weniger Verschnitt. Allerdings ist es aus Kunststoff, was bedeutet es ist nicht abbaubar. Bei der Herstellung wird häufig Erdöl, giftige Schwermetalle und andere Schadstoffe verwendet. Auch ist das künstliche Leder nicht so langlebig und hält nur drei bis fünf Jahre und ist nur wenig bis gar nicht atmungsaktiv. Doch auch hier gibt es schon gute Lösungsansätze.
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Biokunstlederarten, auch veganes Leder genannt [4]. Solche Kunstlederalternativen werden aus den verschiedensten Materialien hergestellt, die meist sogar Abfallprodukte anderer Industrien sind.
[4} https://www.peta-schweiz.ch/veganleben/veganes-leder/ (19.02.2025)
Abschließend lässt sich sagen, dass es für alle Arten des Leders gute, aber auch schlechte Varianten gibt. Es gibt keinen eindeutigen Gewinner der Frage welches Leder das nachhaltigste ist. Während Kunstleder in der Produktion besser abschneidet, tut es das Echtleder mit dem Aspekt der Langlebigkeit. Echtleder ist allerdings mit einem hohen Wasserverbrauch in der Produktion verbunden, während Kunstleder nicht recycelbar ist, was zur Umweltverschmutzung beiträgt.
So ist die wohl nachhaltigste Lösung secondhand Echtlederprodukte. Wenn es von dem Vorbesitzer richtig gepflegt wurde, hat auch der nachfolgende Besitzer noch lange was von dem Produkt.
Daran angeschlossen würde ich die Kunstlederalternativen zu den nachhaltigen Produkten zählen, da sie viel aus Abfallprodukten gewonnen werden und somit weniger Rohstoffe verwendet werden. Darauffolgt das Echtleder mit dem IVN-Siegel.

Credits
Grafik: Paula Fobbe
Text: Paula Fobbe