Katharina Hammes & Kendra Mersch | 09.01.2025 | Lesedauer 5 min
Es ist das eine Ding, was ich brauche. Eine Innovation in meinem Leben. Ich sehe es und es juckt mir in den Fingern. Denn was wäre ich ohne es?
Mein Leben wirkt leer ohne es. Was wäre es doch schön mit dieser Möglichkeit! Wie viel könnte ich machen! Wie viel Mehrwert ich doch hätte.

Impulsentscheidung.
Impulskauf.
Und jetzt liegt sie vor mir, meine grandiose Idee. Direkt mache ich mich ans Werk. Teppich-Maschine; haben oder nicht haben, sage ich immer.
Das Kind in mir ist glücklich und ich tobe mich aus. „Tufte“ nach anfänglichen Schwierigkeiten die ersten Teppiche! Eins, zwei, drei! Dann noch ein großer!
Und dann?
Dann landet das Ganze in einer Kiste unter meinem Bett. Wird zum teuren Staubfänger, denn ich habe nicht mehr so viel Zeit. Meine Impulsentscheidung kann ich nicht einmal als Briefbeschwerer nehmen. Sie nimmt viel Platz in meinem Zimmer ein, doch kann ich keinen Platz für sie in meinem Terminkalender finden.
Er wird zum stillen Zeugen meiner unüberlegten Entscheidung, zum Mahnmal verschwendeten Geldes.
Viel zu vielen Menschen geht es so, wie mir. Mit einem Klick ist der plötzliche Impulskauf auch viel zu leicht. Gerade in stressigen und/oder schwierigen Lebenssituationen ist es doch so viel einfacher eine Realitätsflucht in den Warenkorb zu lege. Der virtuelle Warenkorb wird zur Projektionsfläche unserer Sehnsüchte, zum Trostpflaster für den Moment.
Einfach einzusteigen und wie wild drauf los scrollen und alles in den Korb werfen, um das nötige Dopamin zu bekommen. Erst später kommt man zum Nachdenken, wenn die Summe vom Konto abgebucht wird. Besonders im Online-Rausch ist die Dimension des Einkaufs schwierig zu erkennen – nicht nur im Sinne von Größe, sondern auch das wirkliche Ausgeben von Geld.
Und doch gibt es tausende von Dingen, die zu solchen traurigen Staubfängern werden. Manche Menschen holen sich einen ‚Avocado-Schneider’, andere greifen tiefer in den Geldbeutel und holen eine ‚Coverlock’. Geräte, die man bestimmt einmal gebrauchen könnte, die aber einfach wenig wirklichen Lebenswert haben.
Natürlich gibt es Sachen, die man benötigt, die funktional sind. Doch für eine schnelle Begeisterung braucht es nicht immer gleich ein eigenes Gerät. Für den Anfang reicht es meistens schon, den Kauf längerfristig zu bedenken.
So kann man in 7 Tagen Vorfreude auf den Kauf aufbauen – oder ihn vielleicht doch vergessen. Denn dann war es doch nur ein schneller Impuls. Ein Blick auf die „Quengelkasse“, die wir im Internet doch so ungefiltert sehen.
Zeit lassen und recherchieren kann schon einiges verändern. Es kann zu einem gut überlegten und gut ausgesuchten Kauf führen. Einen Kauf, wo man Platz, Zeit, Geld und Co. mehr beachtet als beim schnellen Sprung in den Warenkorb.
Und doch gäbe es eine Alternative: das Sparen. Anstatt dem Impuls nachzugeben, das Geld beiseitezulegen. Aber wozu sparen wir eigentlich? Ist es die Aussicht auf einen größeren Kauf, ein neues Auto, eine Wohnung? Oder träumen wir von einem Urlaub, der uns den Alltag vergessen lässt? Wollen wir uns ein finanzielles Polster für unvorhergesehene Ereignisse schaffen, um den Sorgen des Alltags etwas entgegenzusetzen?
Stellen wir uns vor, wir hätten all das Geld, das wir für Impulskäufe ausgegeben haben, gespart. Was hätten wir uns damit leisten können? Vielleicht wäre der lang ersehnte Urlaub schon Realität geworden. Vielleicht hätten wir uns etwas wirklich Sinnvolles anschaffen können, etwas, das uns langfristig Freude bereitet und einen echten Mehrwert bietet. Oder vielleicht hätten wir einfach ein beruhigendes Gefühl der finanziellen Sicherheit gewonnen.
Vielleicht gibt es aber auch Workshops oder Gemeinschaftsangebote. Vielleicht reicht ein Avocado-Schneider in einem Wohnhaus oder vielleicht gibt es bereits in der Nähe Kurse für Teppiche zum selbst knüpfen. Vielleicht können wir dadurch die momentane Freude nachhaltiger nutzen.
Auch ich erwische mich häufiger vor der Quengelkasse im Internet. Und auch wenn diese Methoden vielleicht nicht für jede Person funktionieren, helfen sie mir selbst ungemein.
Credits
Bild: Kendra Mersch
Text: Katharina Hammes & Kendra Mersch
Verlinkungen:
Katharina Hammes & Kendra Mersch
09.01.2025
Lesedauer 5 min

Impulsentscheidung.
Impulskauf.
Und jetzt liegt sie vor mir, meine grandiose Idee. Direkt mache ich mich ans Werk. Teppich-Maschine; haben oder nicht haben, sage ich immer.
Das Kind in mir ist glücklich und ich tobe mich aus. „Tufte“ nach anfänglichen Schwierigkeiten die ersten Teppiche! Eins, zwei, drei! Dann noch ein großer!
Und dann?
Dann landet das Ganze in einer Kiste unter meinem Bett. Wird zum teuren Staubfänger, denn ich habe nicht mehr so viel Zeit. Meine Impulsentscheidung kann ich nicht einmal als Briefbeschwerer nehmen. Sie nimmt viel Platz in meinem Zimmer ein, doch kann ich keinen Platz für sie in meinem Terminkalender finden.
Er wird zum stillen Zeugen meiner unüberlegten Entscheidung, zum Mahnmal verschwendeten Geldes.
Viel zu vielen Menschen geht es so, wie mir. Mit einem Klick ist der plötzliche Impulskauf auch viel zu leicht. Gerade in stressigen und/oder schwierigen Lebenssituationen ist es doch so viel einfacher eine Realitätsflucht in den Warenkorb zu lege. Der virtuelle Warenkorb wird zur Projektionsfläche unserer Sehnsüchte, zum Trostpflaster für den Moment.
Einfach einzusteigen und wie wild drauf los scrollen und alles in den Korb werfen, um das nötige Dopamin zu bekommen. Erst später kommt man zum Nachdenken, wenn die Summe vom Konto abgebucht wird. Besonders im Online-Rausch ist die Dimension des Einkaufs schwierig zu erkennen – nicht nur im Sinne von Größe, sondern auch das wirkliche Ausgeben von Geld.
Und doch gibt es tausende von Dingen, die zu solchen traurigen Staubfängern werden. Manche Menschen holen sich einen ‚Avocado-Schneider’, andere greifen tiefer in den Geldbeutel und holen eine ‚Coverlock’. Geräte, die man bestimmt einmal gebrauchen könnte, die aber einfach wenig wirklichen Lebenswert haben.
Natürlich gibt es Sachen, die man benötigt, die funktional sind. Doch für eine schnelle Begeisterung braucht es nicht immer gleich ein eigenes Gerät. Für den Anfang reicht es meistens schon, den Kauf längerfristig zu bedenken.
So kann man in 7 Tagen Vorfreude auf den Kauf aufbauen – oder ihn vielleicht doch vergessen. Denn dann war es doch nur ein schneller Impuls. Ein Blick auf die „Quengelkasse“, die wir im Internet doch so ungefiltert sehen.
Zeit lassen und recherchieren kann schon einiges verändern. Es kann zu einem gut überlegten und gut ausgesuchten Kauf führen. Einen Kauf, wo man Platz, Zeit, Geld und Co. mehr beachtet als beim schnellen Sprung in den Warenkorb.
Und doch gäbe es eine Alternative: das Sparen. Anstatt dem Impuls nachzugeben, das Geld beiseitezulegen. Aber wozu sparen wir eigentlich? Ist es die Aussicht auf einen größeren Kauf, ein neues Auto, eine Wohnung? Oder träumen wir von einem Urlaub, der uns den Alltag vergessen lässt? Wollen wir uns ein finanzielles Polster für unvorhergesehene Ereignisse schaffen, um den Sorgen des Alltags etwas entgegenzusetzen?
Stellen wir uns vor, wir hätten all das Geld, das wir für Impulskäufe ausgegeben haben, gespart. Was hätten wir uns damit leisten können? Vielleicht wäre der lang ersehnte Urlaub schon Realität geworden. Vielleicht hätten wir uns etwas wirklich Sinnvolles anschaffen können, etwas, das uns langfristig Freude bereitet und einen echten Mehrwert bietet. Oder vielleicht hätten wir einfach ein beruhigendes Gefühl der finanziellen Sicherheit gewonnen.
Vielleicht gibt es aber auch Workshops oder Gemeinschaftsangebote. Vielleicht reicht ein Avocado-Schneider in einem Wohnhaus oder vielleicht gibt es bereits in der Nähe Kurse für Teppiche zum selbst knüpfen. Vielleicht können wir dadurch die momentane Freude nachhaltiger nutzen.
Auch ich erwische mich häufiger vor der Quengelkasse im Internet. Und auch wenn diese Methoden vielleicht nicht für jede Person funktionieren, helfen sie mir selbst ungemein.
Credits
Bild: Kendra Mersch
Text: Katharina Hammes & Kendra Mersch
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