Jennifer Stellwag, Pietra Rimis | 28.01.2025 | 10 min
Paula ist frisch gebackene Mode Designerin – vollgepackt mit Kreativität, Innovationsgeist und einem starken Willen, die Modeszene nachhaltig zu verändern. Schon seit Beginn ihres Designstudiums an der Hochschule Bielefeld verwirklicht sie ihre Ideen mit Leidenschaft. Mit ihrem erfolgreichen Bachelorabschluss im Gepäck startete sie im Sommer 2024 ins Berufsleben, bereit, ihre unverwechselbare Handschrift in der Modewelt zu hinterlassen.
Ihre Reise war alles andere als konventionell und zeigt, wie innovativ die Arbeit von Gestalter:innen sein kann, wenn man sich den Herausforderungen stellt. In einem spannenden Gespräch gewährt sie Einblick in ihre Ideenwelt und Arbeitsweise und bring uns ihre Vision einer nachhaltigeren Modewelt näher.

Die Festivalsaison ist jeden Sommer ein Highlight. Die Sehnsucht nach frischer Luft, guter Musik und echtem Miteinander lockt zahlreiche Besucher:innen an. Um diese besondere Auszeit in vollen Zügen genießen zu können, lohnt es sich, an allen Festivaltagen dabei zu sein. Damit sich auch der Aufenthalt vor Ort unkompliziert und bezahlbar gestaltet, bieten viele Veranstalter Campingplätze an. Das Zelten ist inzwischen fester Bestandteil des Festivalerlebnisses, es gehört einfach dazu und macht den besonderen Charme dieser Events aus.
Doch ist das wirklich nachhaltig? Denn neben guter Laune und unvergesslichen Momenten bringen Festivals oft auch etwas anderes mit: Unachtsamkeit und Nachlässigkeit. Kein Mülleimer in Sicht? „Stell die Flasche einfach ab, jemand wird sie schon wegräumen.“ Kein Platz mehr im Auto? „Lass es liegen, das machen doch alle.“ Die Luftmatratze ist geplatzt oder das Zelt beschädigt? „Wird sowieso entsorgt, warum also mitschleppen?
Solche Gedanken, und die daraus resultierenden Handlungen, prägen leider die Festivalszene. Das Ergebnis? Riesige Müllberge, die nicht nur die Veranstaltenden an ihre Grenzen bringen, sondern vor allem die Umwelt belasten.
Zwar rückt dieses Problem seit einigen Jahren immer stärker ins Bewusstsein, doch die Frage bleibt: Wie kann man dagegen ankämpfen? Wie schaffen wir es, Festivals zu einem Erlebnis zu machen, das Spaß bringt, ohne dabei die Natur zu zerstören?
Gut erhaltene Zelte werden oft weitergespendet oder verkauft. Doch auch beschädigte Zelte, die für das Camping nicht mehr nutzbar sind, können einen neuen Zweck finden. In der Modebranche wächst das Bewusstsein für Nachhaltigkeit stetig, und genau hier eröffnet sich die Möglichkeit, einen Teil dieses Mülls wiederzubeleben.
Denn alles, was Fläche bietet, wie zum Beispiel Zelte, Decken oder Planen, kann als Kleidungsstoff genutzt werden. Besonders die liegen gelassenen Festivalzelte, die sonst auf den Müllbergen landen würden, sind für Paulas Kollektion zu einer wertvollen Ressource geworden. Sie verwandelte Überreste eines verschwenderischen Konsums in etwas Neues, Einzigartiges, und zeigt damit, wie Mode nicht nur kreativ, sondern auch nachhaltig sein kann.






Für Paula war es die perfekte Kombination aus persönlichen Werten und praktischen Herausforderungen. „Ich habe mich mit dem Thema auseinandergesetzt, weil ich darin eine Möglichkeit gesehen habe, günstig Materialien für mein Projekt zu bekommen und gleichzeitig meinen eigenen Werten gerecht zu werden. Wann immer möglich, versuche ich keine neuen Materialien zu kaufen, sondern mit dem zu arbeiten, was woanders übrig ist“, erklärt sie.
Der Weg von einem kaputten Zelt zu einem tragbaren Kleidungsstück klingt kompliziert, und das war er auch, wie Paula beschreibt. Der Prozess war für sie eine Mischung aus Stolz und Ehrfurcht. „Ich habe zuerst Probeteile aus Nessel gefertigt, um ein Gefühl für die Schnitte zu bekommen.“ Nachdem die Schnitte und das Design feststanden, ging es an das Originalmaterial. Doch nicht jedes Zelt ist geeignet, eine Herausforderung, die Paula von Anfang an bewusst war.
„Mir war es wichtig, dass die Zelte kaputt sind und in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr zu gebrauchen, um nicht mehr Müll zu schaffen. Gleichzeitig mussten die Farben und Materialien zu meiner Kollektion passen“, erzählt sie. Der Beschaffungsprozess war ein Balanceakt zwischen Nachhaltigkeit und ästhetischen Ansprüchen.
Das Zerlegen der Zelte ist nur ein kleiner Teil des Prozesses. Paula beschreibt mit sichtbarer Begeisterung, wie sie jedes Stück Stoff gewaschen, getrocknet und gebügelt hat, bevor es zu einem neuen Leben erweckt wurde. „Die Verarbeitung war eine echte Herausforderung. Ich musste die Stoffbahnen der Zelte so einsetzen, dass möglichst wenig Verschnitt entstand. Teilungsnähte und Innenverarbeitung waren dabei besonders wichtig, um die Funktionalität zu erhalten.“ Sorgfältig versiegelte sie alle Nähte und arbeitete mit Nahtband, um die Teile wasserdicht zu machen und auch innen schön aussehen zu lassen. Neue Reißverschlüsse und Knöpfe gaben den Outfits den letzten Schliff. Das Ergebnis: Funktionale Mode, die nicht nur gut aussieht, sondern auch eine Geschichte erzählt.


Paula hatte vor allem junge, umweltbewusste Menschen im Blick, als sie ihre Kollektion entwarf. Doch auch ältere Zielgruppen könnten von der Idee profitieren, meint sie. „Die Qualität und Funktionalität kann zwar nicht mit neuen Outdoorprodukten mithalten, aber für Menschen, die Nachhaltigkeit priorisieren, sind diese Stücke perfekt.“ Die Resonanz auf ihre Arbeit war überwältigend. „Besonders der nachhaltige Aspekt hat viele Menschen in meinem Umfeld begeistert, die sich sonst nicht so sehr für Mode interessieren“, sagt Paula mit einem Lächeln. Ihre Jacken, in die sie besonders viel Arbeit gesteckt hat, sind ihre persönlichen Lieblingsstücke und fanden auch im Außen große Anerkennung.


Würde Paula wieder mit Zelten arbeiten? „Absolut, wenn sich die Gelegenheit bietet. Stilistisch bewege ich mich zwar gerade in eine andere Richtung, aber das Prinzip des Upcyclings fasziniert mich weiterhin. Vielleicht sind es beim nächsten Mal andere Materialien, ausschließen würde ich nichts.“
Auf die Frage, ob ihre Arbeitsweise mit den upgecycelten Zelten auf die gesamte Modebranche übertragbar sei, bleibt Paula realistisch: „Im kleinen Maßstab und bei der Produktion von teuren Unikaten ist diese Arbeitsweise sicherlich möglich. Für die Massenproduktion sehe ich aber Schwierigkeiten. Dennoch gibt es viele gute Ansätze, die auch größere Unternehmen inspirieren könnten.“ Paula sieht trotz der Herausforderungen eine positive Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit und Mode „Nachhaltigkeit wird immer mehr thematisiert. Auch wenn vieles als Trend abgetan wird, schafft es doch Bewusstsein. Das ist ein wichtiger erster Schritt.“ Für Paula ist klar: Jede kleine Veränderung zählt.
Mit ihrer Arbeit zeigt Paula Intrup, dass Mode mehr sein kann als Konsum. Sie kann ein Statement, eine Botschaft und ein Schritt in eine nachhaltigere Zukunft sein. Trotzdem bleibt ein achtsames Verhalten auf Festivals entscheidend, denn nur so kann eine nachhaltige Veränderung wirklich gelingen. Indem Abfälle vermieden und Ressourcen geschont werden, kann das Zelten nicht nur eine Aktivität sein, in der schöne Erinnerungen wachsen, sondern auch eine, die Verantwortung für die Umwelt übernimmt.
Credits
Fotos: Paula Intrup (Prozessbilder), Alexander Hidic (Lookbook), Lore R. (Editorial)
Text: Jennifer Stellwag, Pietra Rimis
Interviewpartnerin & Mode: Paula Intrup
Models: Pascal Hoppe, Nele Wenninghoff, Moritz Gabriel Schräder, Oliver Volmer
Verlinkungen:
@pietra_rimis
@design_pico
@paulaintrup

Jennifer Stellwag, Pietra Rimis
28.01.2025
10 min
Paula ist frisch gebackene Mode Designerin – vollgepackt mit Kreativität, Innovationsgeist und einem starken Willen, die Modeszene nachhaltig zu verändern. Schon seit Beginn ihres Designstudiums an der Hochschule Bielefeld verwirklicht sie ihre Ideen mit Leidenschaft. Mit ihrem erfolgreichen Bachelorabschluss im Gepäck startete sie im Sommer 2024 ins Berufsleben, bereit, ihre unverwechselbare Handschrift in der Modewelt zu hinterlassen.
Ihre Reise war alles andere als konventionell und zeigt, wie innovativ die Arbeit von Gestalter:innen sein kann, wenn man sich den Herausforderungen stellt. In einem spannenden Gespräch gewährt sie Einblick in ihre Ideenwelt und Arbeitsweise und bring uns ihre Vision einer nachhaltigeren Modewelt näher.

Die Festivalsaison ist jeden Sommer ein Highlight. Die Sehnsucht nach frischer Luft, guter Musik und echtem Miteinander lockt zahlreiche Besucher:innen an. Um diese besondere Auszeit in vollen Zügen genießen zu können, lohnt es sich, an allen Festivaltagen dabei zu sein. Damit sich auch der Aufenthalt vor Ort unkompliziert und bezahlbar gestaltet, bieten viele Veranstalter Campingplätze an. Das Zelten ist inzwischen fester Bestandteil des Festivalerlebnisses, es gehört einfach dazu und macht den besonderen Charme dieser Events aus.
Doch ist das wirklich nachhaltig? Denn neben guter Laune und unvergesslichen Momenten bringen Festivals oft auch etwas anderes mit: Unachtsamkeit und Nachlässigkeit. Kein Mülleimer in Sicht? „Stell die Flasche einfach ab, jemand wird sie schon wegräumen.“ Kein Platz mehr im Auto? „Lass es liegen, das machen doch alle.“ Die Luftmatratze ist geplatzt oder das Zelt beschädigt? „Wird sowieso entsorgt, warum also mitschleppen?
Solche Gedanken, und die daraus resultierenden Handlungen, prägen leider die Festivalszene. Das Ergebnis? Riesige Müllberge, die nicht nur die Veranstaltenden an ihre Grenzen bringen, sondern vor allem die Umwelt belasten.
Zwar rückt dieses Problem seit einigen Jahren immer stärker ins Bewusstsein, doch die Frage bleibt: Wie kann man dagegen ankämpfen? Wie schaffen wir es, Festivals zu einem Erlebnis zu machen, das Spaß bringt, ohne dabei die Natur zu zerstören?
Gut erhaltene Zelte werden oft weitergespendet oder verkauft. Doch auch beschädigte Zelte, die für das Camping nicht mehr nutzbar sind, können einen neuen Zweck finden. In der Modebranche wächst das Bewusstsein für Nachhaltigkeit stetig, und genau hier eröffnet sich die Möglichkeit, einen Teil dieses Mülls wiederzubeleben.
Denn alles, was Fläche bietet, wie zum Beispiel Zelte, Decken oder Planen, kann als Kleidungsstoff genutzt werden. Besonders die liegen gelassenen Festivalzelte, die sonst auf den Müllbergen landen würden, sind für Paulas Kollektion zu einer wertvollen Ressource geworden. Sie verwandelte Überreste eines verschwenderischen Konsums in etwas Neues, Einzigartiges, und zeigt damit, wie Mode nicht nur kreativ, sondern auch nachhaltig sein kann.






Für Paula war es die perfekte Kombination aus persönlichen Werten und praktischen Herausforderungen. „Ich habe mich mit dem Thema auseinandergesetzt, weil ich darin eine Möglichkeit gesehen habe, günstig Materialien für mein Projekt zu bekommen und gleichzeitig meinen eigenen Werten gerecht zu werden. Wann immer möglich, versuche ich keine neuen Materialien zu kaufen, sondern mit dem zu arbeiten, was woanders übrig ist“, erklärt sie.
Der Weg von einem kaputten Zelt zu einem tragbaren Kleidungsstück klingt kompliziert, und das war er auch, wie Paula beschreibt. Der Prozess war für sie eine Mischung aus Stolz und Ehrfurcht. „Ich habe zuerst Probeteile aus Nessel gefertigt, um ein Gefühl für die Schnitte zu bekommen.“ Nachdem die Schnitte und das Design feststanden, ging es an das Originalmaterial. Doch nicht jedes Zelt ist geeignet, eine Herausforderung, die Paula von Anfang an bewusst war.
„Mir war es wichtig, dass die Zelte kaputt sind und in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr zu gebrauchen, um nicht mehr Müll zu schaffen. Gleichzeitig mussten die Farben und Materialien zu meiner Kollektion passen“, erzählt sie. Der Beschaffungsprozess war ein Balanceakt zwischen Nachhaltigkeit und ästhetischen Ansprüchen.
Das Zerlegen der Zelte ist nur ein kleiner Teil des Prozesses. Paula beschreibt mit sichtbarer Begeisterung, wie sie jedes Stück Stoff gewaschen, getrocknet und gebügelt hat, bevor es zu einem neuen Leben erweckt wurde. „Die Verarbeitung war eine echte Herausforderung. Ich musste die Stoffbahnen der Zelte so einsetzen, dass möglichst wenig Verschnitt entstand. Teilungsnähte und Innenverarbeitung waren dabei besonders wichtig, um die Funktionalität zu erhalten.“ Sorgfältig versiegelte sie alle Nähte und arbeitete mit Nahtband, um die Teile wasserdicht zu machen und auch innen schön aussehen zu lassen. Neue Reißverschlüsse und Knöpfe gaben den Outfits den letzten Schliff. Das Ergebnis: Funktionale Mode, die nicht nur gut aussieht, sondern auch eine Geschichte erzählt.


Paula hatte vor allem junge, umweltbewusste Menschen im Blick, als sie ihre Kollektion entwarf. Doch auch ältere Zielgruppen könnten von der Idee profitieren, meint sie. „Die Qualität und Funktionalität kann zwar nicht mit neuen Outdoorprodukten mithalten, aber für Menschen, die Nachhaltigkeit priorisieren, sind diese Stücke perfekt.“ Die Resonanz auf ihre Arbeit war überwältigend. „Besonders der nachhaltige Aspekt hat viele Menschen in meinem Umfeld begeistert, die sich sonst nicht so sehr für Mode interessieren“, sagt Paula mit einem Lächeln. Ihre Jacken, in die sie besonders viel Arbeit gesteckt hat, sind ihre persönlichen Lieblingsstücke und fanden auch im Außen große Anerkennung.


Würde Paula wieder mit Zelten arbeiten? „Absolut, wenn sich die Gelegenheit bietet. Stilistisch bewege ich mich zwar gerade in eine andere Richtung, aber das Prinzip des Upcyclings fasziniert mich weiterhin. Vielleicht sind es beim nächsten Mal andere Materialien, ausschließen würde ich nichts.“
Auf die Frage, ob ihre Arbeitsweise mit den upgecycelten Zelten auf die gesamte Modebranche übertragbar sei, bleibt Paula realistisch: „Im kleinen Maßstab und bei der Produktion von teuren Unikaten ist diese Arbeitsweise sicherlich möglich. Für die Massenproduktion sehe ich aber Schwierigkeiten. Dennoch gibt es viele gute Ansätze, die auch größere Unternehmen inspirieren könnten.“ Paula sieht trotz der Herausforderungen eine positive Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit und Mode „Nachhaltigkeit wird immer mehr thematisiert. Auch wenn vieles als Trend abgetan wird, schafft es doch Bewusstsein. Das ist ein wichtiger erster Schritt.“ Für Paula ist klar: Jede kleine Veränderung zählt.
Mit ihrer Arbeit zeigt Paula Intrup, dass Mode mehr sein kann als Konsum. Sie kann ein Statement, eine Botschaft und ein Schritt in eine nachhaltigere Zukunft sein. Trotzdem bleibt ein achtsames Verhalten auf Festivals entscheidend, denn nur so kann eine nachhaltige Veränderung wirklich gelingen. Indem Abfälle vermieden und Ressourcen geschont werden, kann das Zelten nicht nur eine Aktivität sein, in der schöne Erinnerungen wachsen, sondern auch eine, die Verantwortung für die Umwelt übernimmt.
Credits
Fotos: Paula Intrup (Prozessbilder), Alexander Hidic (Lookbook), Lore R. (Editorial)
Text: Jennifer Stellwag, Pietra Rimis
Interviewpartnerin & Mode: Paula Intrup
Models: Pascal Hoppe, Nele Wenninghoff, Moritz Gabriel Schräder, Oliver Volmer
Verlinkungen:
@pietra_rimis
@design_pico
@paulaintrup
