Linus Hamm | 13. März 2025 | Lesedauer 8 min
Manche löschen heroisch brennende Häuser, andere operieren bösartiges Gewebe aus menschlichen Körpern; ich verschiebe Pixel und suche stundenlang die richtige Schriftart. Dass einem als progressiv denkender Mensch mit Blick auf die Geschehnisse in Deutschland, Europa, der Welt und der Umwelt an diesem Punkt eine Sinneskrise begegnet, ist vorprogrammiert.
Wir wissen so umfangreich über die Probleme dieser Welt bescheid, wie nie zuvor. Wir kennen die Kipppunkte des Klimas, die Mechanismen sozialer Ungleichheit, die Konsequenzen politischer Untätigkeit. Wir schaufeln uns seit Jahrzehnten wissentlich unser eigenes Grab und alles, was ich tun kann, ist zu grübeln, wie der Grabstein aussieht.
Wer das eigene Potential ausschöpfen will, muss zuerst verstehen, was er/sie eigentlich tut. Was ist Gestaltung – und welche Rolle spielt ein:e Kommunikationsdesigner:in?
Design ist grundsätzlich allgegenwärtig. Es formt unsere Städte, beeinflusst die Wahrnehmung und leitet unsere Blicke. Design ist auch, dass wir uns an der morgendlichen Tasse Kaffee dank des Henkels nicht die Finger verbrennen oder dass uns bunte, leuchtende Menschenpiktogramme an Straßenkreuzungen ein sicheres Überqueren gewährleisten. „Gutes Design ist unsichtbar“[1], bringt es Dieter Rams, deutsches Design-Urgestein, auf den Punkt. Denn Design bedeutet nicht nur wie es so häufig praktiziert wird, Dinge ästhetisch ansprechend zu machen, sondern vor allem, sie wirksam zu gestalten.
Wofür man diese Wirksamkeit einsetzt, liegt letztlich doch in der Hand des individuellen Designenden oder der jeweiligen Agentur. In kapitalistischen Strukturen hat sich der Sinn von Gestaltung vom Erleichtern der Leben zum Generieren von wirtschaftlichem Erfolg gewandelt. Der Markt wird geflutet von seelenlosen Produkten und willkürlichen Startups, die versprechen, Bedürfnisse zu erfüllen, die zuvor systematisch von ihnen selbst konstruiert wurden. Jahrzehntelang haben Rasierfirmen durch geschickte Werbung und Produktgestaltung virusartig die Vorstellung gestreut, dass Körperbehaarung an Frauen weder ästhetisch noch hygienisch sei, nur um dann als synthetischer Heiland mit der Lösung im Schlepptau zu erscheinen und daraus Profit zu machen.
Gestaltung ist nie neutral. Jedes Plakat, jede Website, jedes Produkt vermittelt Werte und ruft Reaktionen hervor – egal ob bewusst oder unbewusst. Wer gestaltet, sitzt am Schalthebel und entscheidet, was sichtbar wird und was in den Hintergrund rückt. Ein Design ist schließlich unvermeidlich ein Abbild der Werte- und Moralvorstellungen des/der Designer:in.
Vielleicht tragen Feuerwehrleute oder Ärzt:innen mehr zur Gesellschaft bei, als ein beliebiger Kommunikationsdesigner, wie ich es bin. Warum also nicht das Grafiktablet an den Nagel hängen und stattdessen den Kittel herunternehmen? In erster Linie wäre ich ein so schlechter Arzt, dass ich mehr Schaden anrichten als verhindern würde. Worauf es ankommt, ist aber der Aspekt, dass mich die Profession kaum erfüllen und mir den Spaß am Alltag nehmen würde. Schließlich beschäftige ich mich nicht seit neun Jahren mit Design, weil ich mir dadurch ein großes Vermögen oder viel Einfluss erhoffe, sondern weil es mir fast jeden Tag aufs Neue Freude bereitet.
Das Beste aus den eigenen Fähigkeiten zu machen und sie dort wirksam werden zu lassen, wo sie einen Unterschied machen – das ist meiner Ansicht nach der Kern der bewussten Berufswahl. Besser bin ich ein passionierter Designer mit Bewusstsein für Nachhaltigkeit, als ein seelenloser Arzt, dem die Zukunft seiner Patient:innen egal ist.
Die überwältigende Anzahl an Ecken und Kanten in dieser Gesellschaft hat auch etwas Gutes: Es gibt immer Möglichkeiten etwas nachzuschleifen. Schon kleine, bewusste gestalterische Entscheidungen können über Inklusion, Zugänglichkeit und Sicherheit entscheiden. So sorgen Leitsysteme in Bahnhöfen zum Beispiel dafür, dass sich Menschen schneller und stressfreier orientieren können, samt blinder Menschen, die anhand von Leitstreifen und Aufmerksamkeitsfeldern den Weg und ihre Umgebung besser erschließen können. Gute Typografie sorgt dafür, dass Informationen und Bildung für eine immer breiter werdende Masse erschließbar wird. So können bewusst lesefreundlich konstruierte Schriftarten wie Atkinson Hyperlegible das Lesen für Sehbehinderte, aufgrund von distinktiveren Zeichen, erleichtern. Design zeichnet sich dadurch aus, Probleme und Missstände zu erkennen und mit den eigenen Möglichkeiten aktiv an deren Lösung beizutragen. Gutes Design kann Menschen an die Hand nehmen und ihnen das Leben erleichtern, ohne dass sie es bewusst merken.
Doch nicht immer reicht es aus, unsichtbar zu bleiben; manchmal muss Design schreien, anstatt unauffällig im Hintergrund zu agieren. Gestaltung muss auch laut sein können, protestieren, aufrütteln, disruptieren. So kann man die eigene gestalterische Stimme nutzen, um auf wichtige Botschaften und Missstände aufmerksam zu machen – sei es durch das aktive Mitgestalten von kraftvollen Kampagnen für beispielsweise Amnesty International, Greenpeace oder Creatives for Future[2]. Beispiele wie diese zeigen, dass visuelle Kommunikation oft eine emotionale Brücke schlagen können, wo man teils mit Sprache nicht mehr weiterkommt.
[2} Aufgeführte Beispiele stellvertretend für politisch bereits positionierte Aktionen und Non-Profit-Organisationen
Design leitet, wohin entscheiden wir. Als Designer lenke ich den Scheinwerfer und versuche zugänglich zu machen, was kompliziert oder verborgen ist. Also versuche ich das, was mir Freude und Erfüllung bereitet, mit dem zu verbinden, was einen gesellschaftlichen Wert hat.


Dass Licht seine Schattenseiten hat, ist in meinem Weltbild Grundwissen. Dass Lichtverschmutzung als Begriff nicht weitflächig geläufig war, rückte das Thema mehr in meinen Fokus. Inmitten meiner Sinneskrise über den Wert meiner Arbeit als Gestalter, gesellte sich das Bedürfnis nach Teilhabe an dem Lösen relevanter Probleme dazu. Das Resultat all dessen war, mich innerhalb eines Seminars vollends dem Thema Lichtverschmutzung zu widmen und einen Website-Prototyp zu entwickeln, welcher einfach zugänglich und leicht verständlich auf die Thematik aufmerksam macht.
Die Seminararbeit und die dem zugrundeliegende Website tragen den Titel Wo sind all die Sterne hin? und erzählen spielerisch und eindrucksvoll eine Story – immer im Hinblick auf künstliches Licht und dessen Auswirkungen. Dabei bleibt man nicht nur Beobachter:in, sondern kann an mehreren Punkten eingreifen und die Sterne schließlich eigenhändig wieder zurückholen.
Design hat die Fähigkeit, Komplexität zu entschlüsseln. Genau darauf basiert dieses Projekt: Durch emotionale Storytelling-Elemente, intuitive Navigation und bewusst gestaltete visuelle Erzählstrukturen wird das Thema zugänglich. Ein sperriges, oft übersehenes Problem wird greifbar, indem die Verbindung zwischen Lichtverschmutzung, Gesundheit, Natur und Technologie klar und verständlich vermittelt wird. Daher basieren nahezu alle gestalterischen Entscheidungen auf dem Ziel, komplexe Szenarien immersiv verständlich zu machen. Mein Potential als Designer ist schließlich genau das: Im Sinne der Gemeinschaft Dinge zugänglich machen.
Dieser kurze Einblick soll keine Selbstpreisung sein, sondern vielmehr ein Bericht meines Versuches der gesellschaftlich relevanten Gestaltung. Denn an sich geht es hier nicht um Lichtverschmutzung, sondern an dem zugrunde liegenden Prinzip: Design kann unsichtbare Probleme sichtbar machen, abstrakte Zusammenhänge in emotionale Erlebnisse übersetzen und Menschen so befähigen, nicht nur zu verstehen, sondern zu handeln. Wo sind all die Sterne hin? ist mein persönliches Beispiel dafür, wie Design als Werkzeug für gesellschaftliche Aufklärung genutzt werden kann.
Gestaltung ist nie wertfrei. Sie vermittelt Moralvorstellungen, setzt Prioritäten und beeinflusst, was sichtbar wird – und was unsichtbar bleibt. Wer kreativ tätig ist, hat damit auch die Möglichkeit, aktiv an einer nachhaltigeren, gerechteren und zugänglicheren Welt mitzuwirken.
Das Erfüllen von dem Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und dem Teilhaben an gesellschaftlich relevanten Thematiken mit der eigenen Arbeit ist ein Segen. Mit dieser Arbeit dann auch noch sein Leben finanzieren zu können, sollte das summum bonum einer jeden Professionssuche darstellen. Das Finden der eigenen Passion ist dabei ein lebendiger Prozess. Mal steckt man in einer Arbeit, in der es sich schwer realisieren lässt, Probleme in die Hand zu nehmen. Es kann auch sein, dass man noch studiert und vorerst wichtig ist, die Freude zu entdecken und zur Passion werden zu lassen.
Es geht nicht darum, den einen richtigen Weg zu finden, sondern darum, sich bewusst zu machen, dass es immer gestaltbare Spielräume gibt. Nachhaltigkeit, Ethik und soziale Verantwortung lassen sich überall einbringen – es braucht nur die Entscheidung, sie zum festen Bestandteil des eigenen kreativen Schaffens zu machen.
Linus Hamm
13. März 2025
Lesedauer 8 min
Manche löschen heroisch brennende Häuser, andere operieren bösartiges Gewebe aus menschlichen Körpern; ich verschiebe Pixel und suche stundenlang die richtige Schriftart. Dass einem als progressiv denkender Mensch mit Blick auf die Geschehnisse in Deutschland, Europa, der Welt und der Umwelt an diesem Punkt eine Sinneskrise begegnet, ist vorprogrammiert.
Wir wissen so umfangreich über die Probleme dieser Welt bescheid, wie nie zuvor. Wir kennen die Kipppunkte des Klimas, die Mechanismen sozialer Ungleichheit, die Konsequenzen politischer Untätigkeit. Wir schaufeln uns seit Jahrzehnten wissentlich unser eigenes Grab und alles, was ich tun kann, ist zu grübeln, wie der Grabstein aussieht.
Wer das eigene Potential ausschöpfen will, muss zuerst verstehen, was er/sie eigentlich tut. Was ist Gestaltung – und welche Rolle spielt ein:e Kommunikationsdesigner:in?
Design ist grundsätzlich allgegenwärtig. Es formt unsere Städte, beeinflusst die Wahrnehmung und leitet unsere Blicke. Design ist auch, dass wir uns an der morgendlichen Tasse Kaffee dank des Henkels nicht die Finger verbrennen oder dass uns bunte, leuchtende Menschenpiktogramme an Straßenkreuzungen ein sicheres Überqueren gewährleisten. „Gutes Design ist unsichtbar“[1], bringt es Dieter Rams, deutsches Design-Urgestein, auf den Punkt. Denn Design bedeutet nicht nur wie es so häufig praktiziert wird, Dinge ästhetisch ansprechend zu machen, sondern vor allem, sie wirksam zu gestalten.
Wofür man diese Wirksamkeit einsetzt, liegt letztlich doch in der Hand des individuellen Designenden oder der jeweiligen Agentur. In kapitalistischen Strukturen hat sich der Sinn von Gestaltung vom Erleichtern der Leben zum Generieren von wirtschaftlichem Erfolg gewandelt. Der Markt wird geflutet von seelenlosen Produkten und willkürlichen Startups, die versprechen, Bedürfnisse zu erfüllen, die zuvor systematisch von ihnen selbst konstruiert wurden. Jahrzehntelang haben Rasierfirmen durch geschickte Werbung und Produktgestaltung virusartig die Vorstellung gestreut, dass Körperbehaarung an Frauen weder ästhetisch noch hygienisch sei, nur um dann als synthetischer Heiland mit der Lösung im Schlepptau zu erscheinen und daraus Profit zu machen.
Gestaltung ist nie neutral. Jedes Plakat, jede Website, jedes Produkt vermittelt Werte und ruft Reaktionen hervor – egal ob bewusst oder unbewusst. Wer gestaltet, sitzt am Schalthebel und entscheidet, was sichtbar wird und was in den Hintergrund rückt. Ein Design ist schließlich unvermeidlich ein Abbild der Werte- und Moralvorstellungen des/der Designer:in.
Vielleicht tragen Feuerwehrleute oder Ärzt:innen mehr zur Gesellschaft bei, als ein beliebiger Kommunikationsdesigner, wie ich es bin. Warum also nicht das Grafiktablet an den Nagel hängen und stattdessen den Kittel herunternehmen? In erster Linie wäre ich ein so schlechter Arzt, dass ich mehr Schaden anrichten als verhindern würde. Worauf es ankommt, ist aber der Aspekt, dass mich die Profession kaum erfüllen und mir den Spaß am Alltag nehmen würde. Schließlich beschäftige ich mich nicht seit neun Jahren mit Design, weil ich mir dadurch ein großes Vermögen oder viel Einfluss erhoffe, sondern weil es mir fast jeden Tag aufs Neue Freude bereitet.
Das Beste aus den eigenen Fähigkeiten zu machen und sie dort wirksam werden zu lassen, wo sie einen Unterschied machen – das ist meiner Ansicht nach der Kern der bewussten Berufswahl. Besser bin ich ein passionierter Designer mit Bewusstsein für Nachhaltigkeit, als ein seelenloser Arzt, dem die Zukunft seiner Patient:innen egal ist.
Die überwältigende Anzahl an Ecken und Kanten in dieser Gesellschaft hat auch etwas Gutes: Es gibt immer Möglichkeiten etwas nachzuschleifen. Schon kleine, bewusste gestalterische Entscheidungen können über Inklusion, Zugänglichkeit und Sicherheit entscheiden. So sorgen Leitsysteme in Bahnhöfen zum Beispiel dafür, dass sich Menschen schneller und stressfreier orientieren können, samt blinder Menschen, die anhand von Leitstreifen und Aufmerksamkeitsfeldern den Weg und ihre Umgebung besser erschließen können. Gute Typografie sorgt dafür, dass Informationen und Bildung für eine immer breiter werdende Masse erschließbar wird. So können bewusst lesefreundlich konstruierte Schriftarten wie Atkinson Hyperlegible das Lesen für Sehbehinderte, aufgrund von distinktiveren Zeichen, erleichtern. Design zeichnet sich dadurch aus, Probleme und Missstände zu erkennen und mit den eigenen Möglichkeiten aktiv an deren Lösung beizutragen. Gutes Design kann Menschen an die Hand nehmen und ihnen das Leben erleichtern, ohne dass sie es bewusst merken.
Doch nicht immer reicht es aus, unsichtbar zu bleiben; manchmal muss Design schreien, anstatt unauffällig im Hintergrund zu agieren. Gestaltung muss auch laut sein können, protestieren, aufrütteln, disruptieren. So kann man die eigene gestalterische Stimme nutzen, um auf wichtige Botschaften und Missstände aufmerksam zu machen – sei es durch das aktive Mitgestalten von kraftvollen Kampagnen für beispielsweise Amnesty International, Greenpeace oder Creatives for Future[2]. Beispiele wie diese zeigen, dass visuelle Kommunikation oft eine emotionale Brücke schlagen können, wo man teils mit Sprache nicht mehr weiterkommt.
[2} Aufgeführte Beispiele stellvertretend für politisch bereits positionierte Aktionen und Non-Profit-Organisationen
Design leitet, wohin entscheiden wir. Als Designer lenke ich den Scheinwerfer und versuche zugänglich zu machen, was kompliziert oder verborgen ist. Also versuche ich das, was mir Freude und Erfüllung bereitet, mit dem zu verbinden, was einen gesellschaftlichen Wert hat.


Dass Licht seine Schattenseiten hat, ist in meinem Weltbild Grundwissen. Dass Lichtverschmutzung als Begriff nicht weitflächig geläufig war, rückte das Thema mehr in meinen Fokus. Inmitten meiner Sinneskrise über den Wert meiner Arbeit als Gestalter, gesellte sich das Bedürfnis nach Teilhabe an dem Lösen relevanter Probleme dazu. Das Resultat all dessen war, mich innerhalb eines Seminars vollends dem Thema Lichtverschmutzung zu widmen und einen Website-Prototyp zu entwickeln, welcher einfach zugänglich und leicht verständlich auf die Thematik aufmerksam macht.
Die Seminararbeit und die dem zugrundeliegende Website tragen den Titel Wo sind all die Sterne hin? und erzählen spielerisch und eindrucksvoll eine Story – immer im Hinblick auf künstliches Licht und dessen Auswirkungen. Dabei bleibt man nicht nur Beobachter:in, sondern kann an mehreren Punkten eingreifen und die Sterne schließlich eigenhändig wieder zurückholen.
Design hat die Fähigkeit, Komplexität zu entschlüsseln. Genau darauf basiert dieses Projekt: Durch emotionale Storytelling-Elemente, intuitive Navigation und bewusst gestaltete visuelle Erzählstrukturen wird das Thema zugänglich. Ein sperriges, oft übersehenes Problem wird greifbar, indem die Verbindung zwischen Lichtverschmutzung, Gesundheit, Natur und Technologie klar und verständlich vermittelt wird. Daher basieren nahezu alle gestalterischen Entscheidungen auf dem Ziel, komplexe Szenarien immersiv verständlich zu machen. Mein Potential als Designer ist schließlich genau das: Im Sinne der Gemeinschaft Dinge zugänglich machen.
Dieser kurze Einblick soll keine Selbstpreisung sein, sondern vielmehr ein Bericht meines Versuches der gesellschaftlich relevanten Gestaltung. Denn an sich geht es hier nicht um Lichtverschmutzung, sondern an dem zugrunde liegenden Prinzip: Design kann unsichtbare Probleme sichtbar machen, abstrakte Zusammenhänge in emotionale Erlebnisse übersetzen und Menschen so befähigen, nicht nur zu verstehen, sondern zu handeln. Wo sind all die Sterne hin? ist mein persönliches Beispiel dafür, wie Design als Werkzeug für gesellschaftliche Aufklärung genutzt werden kann.
Gestaltung ist nie wertfrei. Sie vermittelt Moralvorstellungen, setzt Prioritäten und beeinflusst, was sichtbar wird – und was unsichtbar bleibt. Wer kreativ tätig ist, hat damit auch die Möglichkeit, aktiv an einer nachhaltigeren, gerechteren und zugänglicheren Welt mitzuwirken.
Das Erfüllen von dem Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und dem Teilhaben an gesellschaftlich relevanten Thematiken mit der eigenen Arbeit ist ein Segen. Mit dieser Arbeit dann auch noch sein Leben finanzieren zu können, sollte das summum bonum einer jeden Professionssuche darstellen. Das Finden der eigenen Passion ist dabei ein lebendiger Prozess. Mal steckt man in einer Arbeit, in der es sich schwer realisieren lässt, Probleme in die Hand zu nehmen. Es kann auch sein, dass man noch studiert und vorerst wichtig ist, die Freude zu entdecken und zur Passion werden zu lassen.
Es geht nicht darum, den einen richtigen Weg zu finden, sondern darum, sich bewusst zu machen, dass es immer gestaltbare Spielräume gibt. Nachhaltigkeit, Ethik und soziale Verantwortung lassen sich überall einbringen – es braucht nur die Entscheidung, sie zum festen Bestandteil des eigenen kreativen Schaffens zu machen.