Levin Geller | 27. November 2024 | Lesedauer 5 min

Fun Fact: Wir (die Menschen) wissen nun seit über einhundert Jahren über die Auswirkung von zu viel CO2 (und anderen Treibhausgasen) in der Atmosphäre. Dennoch tun wir nichts. Also zumindest nichts, was tatsächlich etwas bewirkt.
Die „herrschende Klasse” lebt weiterhin in ihrem Traumkonstrukt von unendlichem Wirtschaftswachstum. Höher, schneller, weiter, mehr! Mehr Produkte, mehr Kunden, mehr Fluten, mehr Tornados, mehr Zerstörung, mehr Geld!
Geht das auch nachhaltig? Unendliches Wachstum? Nachhaltig?
Anhänger der Idee des grünen Kapitalismus würden vermutlich „ja“ sagen.
Meiner Ansicht nach ist das genau so absurd, wie es klingt.
Aber wie?
Wir (an Nachhaltigkeit Interessierte) reden die ganze Zeit über die praktische Anwendung und Umsetzung von allen möglichen kleinen Konzepten. Diese Konzepte setzen zumeist beim Individuum an. Bringt das was? Bringt das was, wenn ich jetzt mit dem Fahrrad zum Supermarkt fahre und dann eine Retterbox kaufe? Naja, schon! Fahrrad fahren tut gut und die Retterbox ist günstig. Außerdem freuen sich etwaige Konzerne, weil sie nicht dazu gezwungen sind den Inhalt der potenziellen Retterbox in ihre Hochsicherheitsmülltonne zu schmeißen. Und die Auswirkung auf das Klima? Nun… ich denke die Welt rettet das nicht.
„Aber je mehr Leute sich klimafreundlicher verhalten und wenn mehr Leute so leben würden!“ denken Manche.
Richtig. Dann lass uns doch einfach hoffen, dass jetzt alle acht Milliarden Menschen auf dieser Erde anfangen, Retterboxen zu kaufen und dann haben wir das Problem gelöst, easy peasy [Daumen hoch Emoji]. Ich glaube, das klappt nicht. (An den meisten Orten dieser Welt gibt es keine Retterboxen!)
Der Klimawandel ist ein systemisches Problem. Das lässt sich nicht am Individuum bekämpfen, geschweige denn lösen.

Ein rechtsextremer Milliardär, der den Klimawandel leugnet, wurde gerade zum Chef der global mächtigsten Nation gewählt. Auch in Europa vergrößern Faschisten ihren Einfluss.
Das sind keine guten Aussichten.
Aber auch ohne fragwürdige politische Positionen in europäischen Regierungen wird der globale Süden ausgebeutet (sowohl die Menschen als auch die Natur), und wir dürfen jedes Jahr aufs Neue mehrere „Jahrhundert“-Umweltkatastrophen beobachten (während andere sie erleben). Im Fernsehen wird derweil dann mit Vertreter:innen verschiedener Jugendorganisationen von Parteien über Wahlkampf auf TikTok und das Rentenalter gesprochen (das fühlt sich wirklich wie im Film „Don’t Look Up“ (2021) an).
Also was denn nun? Die mächtigen tun nix, das Individuum ist machtlos, und ‘ne Firma gründen kann man auch nicht, weil Klimaschutz nicht profitabel ist. Wie soll man dabei bitte nicht in absolute Hoffnungslosigkeit versinken?
Nun! Vielleicht ist das Individuum doch nicht so machtlos? Wir sprechen schon mal übers Thema. Das ist gut.
Ich denke aber, wir sollten darauf achten, wie wir es tun. Es ist wichtig, die Wurzel des Problems anzugreifen. Denn der Klimawandel ist, wie viele andere, ein systemisches Problem. Wenn wir über die klima(un)freundliche Tat der:des Einzelnen sprechen, anstatt auf beispielsweise den CO2-Ausstoß der Konzerne zu blicken, schauen wir direkt am Problem vorbei.
Jetzt hab ich doch noch etwas für den Kurs gemacht, super! Wäre auch gar nicht so schlimm, wenn nicht, denn das Semester geht ja noch eine Weile. Ich frage mich, ob das beim Klima ähnlich ist…


Credits
Fotos: Levin Geller
Text: Levin Geller
Levin Geller
27. November 2024
Lesedauer 5 min

Fun Fact: Wir (die Menschen) wissen nun seit über einhundert Jahren über die Auswirkung von zu viel CO2 (und anderen Treibhausgasen) in der Atmosphäre. Dennoch tun wir nichts. Also zumindest nichts, was tatsächlich etwas bewirkt.
Die „herrschende Klasse” lebt weiterhin in ihrem Traumkonstrukt von unendlichem Wirtschaftswachstum. Höher, schneller, weiter, mehr! Mehr Produkte, mehr Kunden, mehr Fluten, mehr Tornados, mehr Zerstörung, mehr Geld!
Geht das auch nachhaltig? Unendliches Wachstum? Nachhaltig?
Anhänger der Idee des grünen Kapitalismus würden vermutlich „ja“ sagen.
Meiner Ansicht nach ist das genau so absurd, wie es klingt.
Aber wie?
Wir (an Nachhaltigkeit Interessierte) reden die ganze Zeit über die praktische Anwendung und Umsetzung von allen möglichen kleinen Konzepten. Diese Konzepte setzen zumeist beim Individuum an. Bringt das was? Bringt das was, wenn ich jetzt mit dem Fahrrad zum Supermarkt fahre und dann eine Retterbox kaufe? Naja, schon! Fahrrad fahren tut gut und die Retterbox ist günstig. Außerdem freuen sich etwaige Konzerne, weil sie nicht dazu gezwungen sind den Inhalt der potenziellen Retterbox in ihre Hochsicherheitsmülltonne zu schmeißen. Und die Auswirkung auf das Klima? Nun… ich denke die Welt rettet das nicht.
„Aber je mehr Leute sich klimafreundlicher verhalten und wenn mehr Leute so leben würden!“ denken Manche.
Richtig. Dann lass uns doch einfach hoffen, dass jetzt alle acht Milliarden Menschen auf dieser Erde anfangen, Retterboxen zu kaufen und dann haben wir das Problem gelöst, easy peasy [Daumen hoch Emoji]. Ich glaube, das klappt nicht. (An den meisten Orten dieser Welt gibt es keine Retterboxen!)
Der Klimawandel ist ein systemisches Problem. Das lässt sich nicht am Individuum bekämpfen, geschweige denn lösen.

Ein rechtsextremer Milliardär, der den Klimawandel leugnet, wurde gerade zum Chef der global mächtigsten Nation gewählt. Auch in Europa vergrößern Faschisten ihren Einfluss.
Das sind keine guten Aussichten.
Aber auch ohne fragwürdige politische Positionen in europäischen Regierungen wird der globale Süden ausgebeutet (sowohl die Menschen als auch die Natur), und wir dürfen jedes Jahr aufs Neue mehrere „Jahrhundert“-Umweltkatastrophen beobachten (während andere sie erleben). Im Fernsehen wird derweil dann mit Vertreter:innen verschiedener Jugendorganisationen von Parteien über Wahlkampf auf TikTok und das Rentenalter gesprochen (das fühlt sich wirklich wie im Film „Don’t Look Up“ (2021) an).
Also was denn nun? Die mächtigen tun nix, das Individuum ist machtlos, und ‘ne Firma gründen kann man auch nicht, weil Klimaschutz nicht profitabel ist. Wie soll man dabei bitte nicht in absolute Hoffnungslosigkeit versinken?
Nun! Vielleicht ist das Individuum doch nicht so machtlos? Wir sprechen schon mal übers Thema. Das ist gut.
Ich denke aber, wir sollten darauf achten, wie wir es tun. Es ist wichtig, die Wurzel des Problems anzugreifen. Denn der Klimawandel ist, wie viele andere, ein systemisches Problem. Wenn wir über die klima(un)freundliche Tat der:des Einzelnen sprechen, anstatt auf beispielsweise den CO2-Ausstoß der Konzerne zu blicken, schauen wir direkt am Problem vorbei.
Jetzt hab ich doch noch etwas für den Kurs gemacht, super! Wäre auch gar nicht so schlimm, wenn nicht, denn das Semester geht ja noch eine Weile. Ich frage mich, ob das beim Klima ähnlich ist…


Credits
Fotos: Levin Geller
Text: Levin Geller